• 25.06.2017

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Die Freiheit hat ihren Preis

dino

» Artikel vom

Die Armut geistert durch Deutschland. Nach einem Bericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes sind viele Bürger wieder etwas ärmer geworden und ganz besonders die Alleinerziehenden. Natürlich spricht niemand von den armen unterhaltspflichtigen Männern, die es in gleicher Anzahl gibt, denn da ist ein qualitativer Unterschied. Unterhaltszahlungen sind generell Konsumausgaben und schmälern nicht das Einkommen. Damit sind Unterhaltspflichtige niemals arm, obwohl die meisten vom oder unter dem Selbstbehalt leben müssen. Arm zu sein ist sicherlich Scheiße, aber es ist der Preis der persönlichen Freiheit. Es gibt niemanden, der einem sagt, was man da tun soll. Damit liegt die Verantwortung bei einem selbst. Jeder Mensch entscheidet für sich und damit ist eine mögliche Armut Privatsache. Ich weiß, dass es nicht sozial klingt, wenn fremdes Leid mich kaum berührt. Aber das soll heute nicht das Thema sein.

Nun bin ich in einem Alter angekommen, wo ich mich zurücklehne und meine kleinen Geschichtchen erzähle. Es ist kein Geheimnis, dass ich in meinem Leben mehrfach völlig abgebrannt war und vor kaum lösbaren Problemen stand. Eines habe ich jedoch nie getan. Ich habe mich nie einer Situation kampflos ergeben. Und das war immer das Geheimnis meines Erfolges. Nun mag jeder Erfolg anders definieren, aber wenn ich mein Leben resümiere und ich zufrieden bin, dann ist die Welt in Ordnung.

Mein erstes echtes Desaster war die Wiedervereinigung. Als junger Leutnant war mir klar, dass mein Beruf zu Ende geht. Ich habe 1990 gekündigt, weil ich nicht in die imperialistische Uniform der Bundeswehr schlüpfen wollte. Nun musste ein neuer Job her und da ich Militärbau studiert habe, dachte ich, dass ein Job als Bauleiter kein Problem sein sollte. Erst beim Schreiben meines Lebenslaufes bemerkte ich meine dürftige Berufserfahrung. Null Jahre. Wow. Das sieht wirklich nicht so gut aus, dachte ich mir. Nach über 80 schriftlichen Bewerbungen wurde ich doch etwas unruhig. Alle brachten keinen Erfolg. Also habe ich meine Strategie geändert. Ich fertigte 12 Bewerbungsmappen an und machte meinen Trabbi fit, um bei den Baufirmen in Hamburg direkt vorzusprechen. Bei der ersten Baufirma bin ich abgeblitzt, doch schon bei der nächsten bekam ich die Chance zu einem Vorstellungsgespräch. Obwohl ich Diplomingenieur war, akzeptierte ich ein Bautechnikergehalt in der untersten Stufe. Das störte mich nicht, denn als junger Kommunist wusste ich, dass im Kapitalismus Leistung zählt.

Interessant dabei war, dass der Geschäftsführer mir auf den Weg gab, dass er nun zwei junge Ingenieure hätte, er aber nur einen braucht. Einer müsse gehen. Ich schmunzelte und war mir sicher, dass ich meine direkte Konkurrenz ausschalten werde. Ich will nicht gleich behaupten, dass das meine Spezialität war, aber einen verweichlichten westdeutschen Jungingenieur zu vernaschen, habe ich nicht als sonderlich großes Problem und Herausforderung angesehen. Nach einem Jahr verdiente ich das Doppelte und fuhr einen Passat mit Autotelefon. Was mit dem Jungingenieur wurde kann man sich denken.

Natürlich betrat ich Neuland. Mir fehlten das Fachwissen, die Kenntnis der Gepflogenheiten und die gesamte technische Ausrüstung war mir unbekannt. Also kaufte ich mir jede Menge Bücher und bildete mich abends weiter. Kam ich hier und da mal ins Stocken, habe ich meine Kollegen gefragt. Das waren zielgerichtete Fragen. Manche Kollegen wussten keine Antwort und das zeigte mir, dass alle nur mit Wasser kochen und ich auf dem richtigen Weg war. Im Übrigen dokumentiert der Fragesteller seine eigene Qualität. Natürlich gibt es dumme Fragen, wo man sich bis auf die Knochen blamieren kann. Macht man sich aber selbst schlau, dann bleiben nur qualitativ hochwertige Fragen übrig. Mein Lebensmotto war damals schon gewesen, dass man sich selbst helfen muss.

Ich bin damals der drohenden Armut aus eigener Kraft entronnen. Selbst heute würde ich die Firmen abklappern, wenn ich einen Job bräuchte und Bewerbungen keinen Erfolg bringen. Ein Ortswechsel war für mich noch nie ein Problem gewesen. Ich bin immer dorthin gegangen, wo ich Geld verdienen konnte. Heute habe ich meine Strategie verfeinert. Mit über 50 muss ich dynamisch und gut aussehen. Gepaart mit frischem Wissen steche ich jeden Jüngeren aus. Manche mögen darüber lachen, aber wenn ein Arbeitgeber die Wahl zwischen einem trägen Fettwanst und mir hat, dann dürfte seine Entscheidung klar sein. Ich mache das Rennen.

Das Berufsleben ist immer interessant und es gibt genügend Beispiele, wie man es nicht machen sollte. Ich fing bei einer Firma an, wo mein direkter Vorgesetzter ein Doktorand war. Er wurde mir als Star vorgestellt und die Fronten waren klar. Ich habe das zu machen, was er mir sagt. Damit habe ich kein Problem. Ich hatte meine Projekte, die ich in meiner Art zielstrebig erledigte. Mein Doktorand merkte relativ schnell, dass ich einfach mehr drauf hatte als er und fragte mich, ob ich ihm helfen würde. Na klar, sagte ich, schließlich sind wir Kollegen. Nach seiner grundsätzlichen Frage, kam erstmal nichts. Einige Tage später fragte er mich, ob er sonntags zu mir kommen könnte, da er jede Menge Fragen hätte. Klar, sagte ich. Ruf einfach ein oder zwei Stunden vorher an und dann komm zu mir. Ich wartete am Sonntag und niemand rief an oder kam vorbei. Montags sagte mir der Doktorand, dass er keine Zeit hatte. Einige Wochen später exakt das gleiche Spiel. Ich wartete und er kam nicht. Ich machte einige Tage später eine klare Ansage, dass er meine Hilfe nicht braucht und ich damit nicht mehr zur Verfügung stehe. Fortan erzählte er jedem, dass ich nicht hilfsbereit sei. Ich schmunzelte darüber, denn ich wusste, dass am Ende jeder das bekommt, was er verdient. Ich trat etwas mehr aufs Gaspedal, um noch mehr zu glänzen. Dadurch kamen die Defizite des Doktoranden besonders gut zur Geltung. Ein Kunde hat ihm den Sargnagel zu 90 Prozent reingehauen, als er sich mehrfach über ihn beschwerte und ich erledigte die restlichen 10 Prozent. Danach mieden mich etliche Kollegen.

Ein High Performer braucht keine Freunde. Er geht in die Firma um Aufgaben und Probleme zu lösen, nicht um Freundschaften zu pflegen. Wer so agiert, wird die Armut wahrscheinlich nie kennenlernen. Und wenn ein Kollege über die Klinge springt, dann ist es so. Mitleid kennt der Kapitalismus nicht, sondern nur Erfolg oder Misserfolg. Jeder hat die Chance, sich durch seine Arbeit auf die eine oder andere Seite zu schlagen.

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