• 16.12.2017

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Kommt jetzt der Schnee oder nicht

hund

» Artikel vom

In Kleinsibirien lag schon der erste Schnee. Das ist ein Gebiet in Oberfranken, wo Menschen mit Hauptschulabschluss noch Respekt und Anerkennung genießen. Genau hier wohne ich und in meinem Ort bin ich wohlbekannt. Mein Lada fällt auf, ebenso wie mein Bulldog-Hündchen Betti. Eigentlich fällt in Oberfranken jeder auf, der sich saubere und ordentliche Sachen leisten kann. Damit ist ein Vorgeschmack gegeben, wie die Gemeindeverwaltungen hier arbeiten. Da wird noch das eigene Süppchen gekocht und um Gesetze schert man sich wenig. So verwundert es auch nicht, dass die Oberfranken recht klagefreudig sind. Sie können sich nicht leiden, obwohl sie vom gleichen Schlag sind.

Nun bin auch ich in diesen Strudel hineingeraten. Der Bürgermeister der großartigen Gemeinde Marktleugast, Herr Uome, ist ein echter Hundekenner, zumindest hält er sich dafür. Er schrieb mich an, dass meine Olde English Bulldogge ein Kampfhund sei und deswegen legte er in Gutsherrenart fest, dass meine Hündin dem Leinenzwang unterliegt und obendrein eine höhere Hundesteuer fällig sei. Das alles stand in seinem Brief an mich drin. Natürlich in einem ultimativen Befehlston. Als Begründung mussten zahlreiche, angeblich besorgte und verängstigte Bürger herhalten. Solch ein offizielles Schreiben ist freilich nichts anderes als eine Anordnung. Man lässt mir nicht die Wahl, sondern ordnet einfach an.

Dabei spielt es in Oberfranken keine Rolle, dass mein Hündchen nicht auf der sogenannten Kampfhundeliste steht. Weit und breit wird diese Hunderasse nicht als Kampfhund erwähnt. Nach Erhalt des Briefs vom Bürgermeister habe ich als anständiger und rechtschaffener Bürger meinen Scanner angeworfen und das Schreiben meinem Anwalt für Verwaltungsrecht gemailt. In Bayern gibt es einige verwaltungsrechtliche Besonderheiten. So hat man gegen die Anordnung einer Behörde keine Widerspruchsmöglichkeit. Die einzige Chance, eine Anordnung aus der Welt zu schaffen, ist die Klage vor dem Verwaltungsgericht. Gesagt, getan. Die Klage wurde flott eingereicht.

Einige Tage später klingelte mein Handy und Bürgermeister Uome war dran. Er wolle mit mir sprechen, um unseren Streitpunkt zu klären. Das klang recht konstruktiv, doch warum hat er nicht vor seinem Schreiben mit mir gesprochen? Wie auch immer, ich machte mich auf den Weg und saß nun vor dem Schreibtisch des Bürgermeisters Uome, zusammen mit seinem Diener vom Ordnungsamt. Bedauerlicherweise ging es in diesem Gespräch nur darum, dass ich deren Meinung akzeptieren und meine Klage zurückziehen soll. Das war witzig, aber nicht konstruktiv. Deshalb merkte ich zum Abschied an, dass ich über die finanziellen Mittel für alle erforderlichen Gerichtsinstanzen verfüge. Ich fechte das aus und bin mir sicher, dass alle Beteiligten daraus etwas lernen werden.

Und dann wird es richtig kurios. Die beklagte Gemeinde Marktleugast argumentiert nun, dass das Schreiben an mich keine Anordnung, sondern lediglich ein Briefchen war. Quasi ein gut gemeinter unverbindlicher Rat. Wow. Das ist ja etwas ganz Neues, wenn glasklare Forderungen einer Behörde mit Fristsetzung im Nachgang zu einem Wunsch oder einer Bitte umgemünzt werden. Die Idee ist wirklich gut, doch Bürgermeister Uome und seine Gelehrten haben eine Kleinigkeit nicht bedacht. Wenn das Verwaltungsgericht in Bayreuth das Schreiben tatsächlich als einen Bittbrief und nicht als Anordnung betrachtet, dann habe ich zwar den Gerichtsprozess verloren, aber der Hund ist dadurch verwaltungsrechtlich kein Kampfhund mehr. Das Thema wäre damit gegessen. Als Verlierer hätte ich natürlich die Kosten des Prozesses zu tragen, aber das mache ich gerne.

Nun gibt es bereits im Vorfeld eines Prozesses meist zahlreiche Kontakte mit dem Gericht, um vielleicht eine außergerichtliche Einigung herbeizuführen. Ich habe mich mit meinem Anwalt jedoch darauf verständigt, dass es keine Deals geben wird. Einerseits sind alle Gerichtskosten bereits in voller Höhe beglichen und andererseits trete ich vor Gericht an, damit ich lerne, was nun Gesetz ist. Obendrein habe ich die Möglichkeit der Berufung, falls ich mit dem Urteil nicht zufrieden bin.

Die Variante, dass ich verliere und mein Hund so von weiteren Verfolgungen verschont bleibt, könnte ich vielleicht akzeptieren. Die möglichen Rechtsfolgen muss ich mit meinem Anwalt nochmal intensiv diskutieren. Eine Folgerung habe ich aus meiner Erfahrung bereits gezogen. Wenn Bürgermeister Uome mir einen Brief schreibt, dann muss drinstehen, ob es sich um eine Anordnung oder einfach nur um einen Bettelbrief handelt. Bettelbriefe an Firmen verschickt der Bürgermeister sehr gerne, worin er um Spenden bittet. Anscheinend ist die Haushaltskasse etwas leer geplündert.

Marktleugast ist eine kleine Gemeinde, in der jeder jeden kennt. So habe ich jedem, den ich im Ort gesehen habe, von meinem Prozess gegen die Gemeinde erzählt. Am Biertisch, in der örtlichen Tankstelle, beim Metzger, beim Bäcker, selbst beim Chef des Hundevereins in der Nachbargemeinde habe ich alles ausgeplaudert. Und es versteht sich von selbst, dass ich bei der nächsten Bürgermeisterwahl mitmache. Ich brauche 70 Stimmen, um mich zur Wahl stellen zu können. Das sollte machbar sein, denn ich kenne genug Bürger, die mehr als unzufrieden mit dem Bürgermeister sind. Ich weiß natürlich nicht, ob Bürgermeister Uome nochmal antreten wird. Ich könnte ihn einfach fragen, er wohnt keine 500 Meter von mir entfernt.

Ich habe sehr große Lust, mich durch die Instanzen zu klagen und am Ende einen großen Sieg einzufahren. Danach würde ich eine halbe Seite im örtlichen Wurstblatt buchen und die oberfränkischen Bürger darüber informieren. Immerhin leben wir in einer Demokratie.

Jetzt überlege ich, ob ich auf dem Rasen vor dem Haus, in dem ich wohne, ein hübsches Schild aufstellen lasse. Bürgermeister Uome fährt diesen Weg täglich zu seiner Gemeindeverwaltung. Es wäre eine nette Sache, wenn er jeden Tag an mein liebes Hündchen erinnert wird. Das ist eben Demokratie. Ein Oberfranke hat dafür zwar kaum Verständnis, kann aber wenig dagegen unternehmen.

Ich bin wirklich ein friedlicher und gutmütiger Mensch. Jeder Mann im Ort kann meine Frau nageln oder begrabschen. Das juckt mich überhaupt nicht, aber bei meinem Hund hört die Freundschaft auf.


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