• 22.05.2017

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Der Aufstieg zu einer Fachkraft

mannbeimarbeiten

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Eine Fachkraft oder ein Spezialist in einem Fachbereich zu werden ist sicherlich ein steiniger, aber kein unmöglicher Weg. Dazu sind besondere Tugenden und Eigenschaften gefragt, die man entweder hat oder sich zu eigen machen muss.

Wer eine Fachkraft werden will, sollte ausgeprägte autodidaktische Fähigkeiten besitzen. Nur wer in der Lage ist, sich selbständig Fachwissen anzueignen, hat eine reelle Chance. Und dazu ist nicht die permanente Hilfe von Kollegen notwendig. Kollegen sind nicht dazu da, andere Kollegen auszubilden, sondern im Ausnahmefall eine gewisse Hilfestellung zu geben. Ich kenne ein grandioses Beispiel, wie man es nicht machen sollte.

Ein ehemaliger Kollege wurde bei seiner Einstellung komplett überbewertet. Ein Doktorand mit umfangreichem Fachwissen, das seinesgleichen suchte. Defizite gab es praktisch nicht und somit waren die Fronten völlig klar, wer der Beste im Zweierteam ist. Ich konnte prima damit leben. In meiner beruflichen Karriere habe ich etliche Überflieger abstürzen sehen. Man darf so einen freien Fall keinesfalls bremsen, sondern sollte einfach nur zuschauen.

Jedenfalls hatte dieser Doktorand in der Praxis doch einige Defizite. Gerade elementare Dinge beherrschte er nicht. Schließlich fragte er mich, ob ich ihm helfen würde. Klar helfe ich. Bei Fragen kann er mich jederzeit anrufen. In den meisten Fällen reicht ein Hinweis per Telefon, damit ein wissensdurstiger Kollege sich den Rest autodidaktisch aneignen kann. Nur selbst lesen macht klug. Doch ich bekam nie einen Anruf und weil ich sehr selten im Büro bin, sah mich der Doktorand auch nicht. Genau für solche Fälle gibt es ja Telefone. Und dann beschwerte sich dieser Kollege hinter meinem Rücken, dass er von mir keine Hilfe bekommen würde, weil ich nie da sei. Das war eine nette Umschreibung, dass ich an seiner Unfähigkeit schuld bin. Unzählige Male verwies ich auf mein Telefon und auf die Tatsache, dass ich mich nicht ins Büro setze, nur um darauf zu warten, bis der Herr eventuell oder auch nicht eine Frage hat. Das Klima wurde dadurch frostiger und ich machte das, was ich in solchen Fällen immer tue. Ignorieren. Wer nicht will, dem kann man nicht helfen. Diese Tatsache erfüllte ich mit Leben, indem ich mich nur um meine Arbeit und um mich selbst kümmerte. Freundschaften im Betrieb interessieren mich nicht.

Die Probleme des Doktoranden wurden immer größer und schließlich bekam er die Kündigung. Natürlich bekommt auch der größte Versager ein wohlwollendes Zeugnis, damit der nächste Arbeitgeber garantiert wieder hereinfällt. Zeugnisse dürfen keine unangenehme Wahrheit enthalten. Aber in meiner Branche spricht sich eh alles herum. Dazu braucht es kein Zeugnis.

Eine Fachkraft muss in der Lage sein, selbst zu lernen. Natürlich kann es Sachverhalte geben, wo man wegen einer fehlenden Information nicht weiter kommt. Da hilft eine kurze und knappe Antwort auf eine gezielte Frage. Wer sich vorab mit den Details seiner Fragestellung auseinandersetzt, fragt nicht nach grundsätzlichen Dingen.

Eine künftige Fachkraft bildet sich selbständig und freiwillig weiter. Wenn ein Arbeitgeber Weiterbildungen verweigert, dann nimmt man Urlaub und zahlt die Weiterbildung eben selbst. Nach erfolgreicher Prüfung geht es in die Gehaltsverhandlung und wird eine berechtigte Gehaltserhöhung verweigert, dann gibt es die Kündigung und die Fachkraft wandert ganz flott zur Konkurrenz ab. Eine Fachkraft hat es nicht nötig, an alten Zöpfen festzuhalten. Einen Bonus für Firmentreue gibt es heute auch nicht mehr. Die heutigen Zeiten gleichen der des Frühkapitalismus. Der Stärkere gewinnt, der Schwächere verliert. Die Starken brauchen keine Hilfe und für die Schwachen gibt es ganze Heerscharen von Soziologinnen, die ihnen das Händchen halten können. Deswegen muss man sich um die Schwachen nicht weiter sorgen.

Bei der Auswahl seines Arbeitgebers empfiehlt es sich, einige Tage Urlaub zu nehmen und kostenlos zur Probe zu arbeiten. Nach drei oder vier Tagen kann recht sicher eingeschätzt werden, ob es sich um einen gut sortierten Laden handelt. Wichtig ist, dass im neuen Arbeitsvertrag alle Absprachen, insbesondere die Arbeitnehmervorteile wie Auto mit Sonderausstattungen, Weiterbildungen und zusätzliche Vergütungen detailliert beschrieben sind. Es gibt zwar immer auch einen Geist des Vertrages, aber auf den ist meist kein Verlass.

Wenig hilfreich finde ich die unzähligen Portale, wo Arbeitnehmer ihre bisherigen oder den aktuellen Arbeitgeber anonym bewerten. Wer über seinen Arbeitgeber öffentlich urteilt, muss auch die Eier haben, seinen Namen öffentlich zu nennen. Schließlich macht er das mit der Firma auch. Kritik muss immer einen Namen haben. Anonyme Bewertungen sind wertlos und kein Indiz für einen guten oder schlechten Betrieb.

Es erleichtert die Arbeit deutlich, seine Aufgaben positiv denkend zu erledigen. Je mehr Mitarbeiter das verstehen und umsetzen, umso erfolgreicher werden die Arbeitsergebnisse und damit auch das Unternehmen. Die größte Bremse sind dabei Sekretärinnen, die angeblich ständig jede Menge Arbeit haben und dies bei jeder Gelegenheit kundtun, um ja nicht mit neuen Aufgaben belästigt zu werden. Gibt man so einer Dramaqueen was zum Schreiben, dann beginnt sofort das Jammerliedchen, was sie sonst noch alles erledigen muss. Ich rede da gerne Tacheles und sage, dass ich dieses Gejammer nicht hören will. Und wenn sie meine Aufgaben nicht erledigen will oder kann, muss sie es nur sagen. Ich werde mich dann persönlich darum kümmern. Versprochen!

Eine andere Masche solcher Loser ist, zur Arbeitsvermeidung immer neue Hürden aufzubauen. Sobald eine Aufgabe naht, schreiben solche Experten und Expertinnen unzählige Emails, welche Anforderungen erfüllt sein müssen, bevor sie mit der Arbeit beginnen können. Natürlich stets scheibchenweise mit dem Ziel, dass man irgendwann entnervt aufgibt. Da geht es nicht um gemeinsame Aufgabenerfüllung, sondern um das Fernhalten von Arbeit.

Als Profi muss sich von solchen Hindernissen befreien. Wenn sich solche Probleme nicht durch ein direktes Gespräch oder durch Eskalation abstellen lassen, dann sollte der Betrieb gewechselt werden. Es macht keinen Sinn, sich darüber zu ärgern. Eine Fachkraft findet immer einen neuen, meist besseren Job.

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