• 23.04.2017

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Die Unterhaltsflucht und der Reisepass

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» Artikel vom

Viele unterhaltspflichtige Männer, die den Schritt der Auswanderung aus Europa wagen, bekommen früher oder später große Bedenken wegen der Ablauffrist des Reisepasses. Es stellt sich die Frage, wie man schnell und ohne grösseres Aufsehen vor dem Ablaufdatum zu einem neuen Reisepass kommt.
 
Die Frage ist flott beantwortet. Der Unterhaltspreller geht natürlich nicht in die deutsche Botschaft und stellt dort keinesfalls einen Antrag. Erstens wäre dann automatisch der Aufenthaltsort bekannt und zweitens würde der Antragssteller besonders intensiv durchleuchtet. Selbst Kleinkriminelle gehen der Botschaft so ganz easy ins Netz. Früher oder später schnappen sie eben jeden, aber nicht den schlauen Unterhaltspreller. Der meidet die deutsche Botschaft wie der Gesunde die Pest.
 
Es bleibt jedem selbst überlassen, ob er direkt oder über ein anderes EU-Land nach Deutschland reist. In Deutschland angekommen benötigt man eine Meldeadresse, die sicherlich bei einem Freund oder bei den Eltern leicht zu beschaffen ist. Bei der Gemeinde- oder der Stadtverwaltung wird dann unverzüglich der Reisepass beantragt, der in der Regel nach zwei Wochen abholbereit ist. Im Besitz des neuen Reisepasses meldet sich der Unterhaltsverweigerer wieder ab und reist unbeschadet zurück ins Ausland. Das klingt einfach und das ist es auch.
 
Der Vorteil in Deutschland besteht schlichtweg darin, dass die Durchleuchtung des Antragstellers nicht so intensiv und umfassend ist. Ein Steuerpreller, der das Finanzamt im Nacken hat, bekommt in Deutschland ganz flott seinen neuen Reisepass, aber in einer deutschen Botschaft im Ausland gibt es für ihn nur einen beschränkten Pass, der ihm lediglich die Einreise nach Deutschland ermöglicht. Darin liegt der qualitative Unterschied.
 
Selbst die Befürchtung, dass man von Polizei wegen Unterhaltspflichtverletzung gesucht wird, ist oft unbegründet. Wer tatsächlich gesucht wird, der merkt es in Deutschland spätestens bei einer Pass- oder Ausweiskontrolle. Doch dann wird lediglich der Aufenthaltsort in Deutschland erfragt und danach darf man wieder gehen. Verhaftungen und ein längerer Aufenthalt im Gefängnis sind Märchen und feuchte Träume von frustrierten Exehefrauen. Sowas gibt es nicht, ausser im Film oder in den Foren, wo selbsternannte Experten diesen Unsinn von sich geben.
 
Vielleicht dient meine eigene Erfahrung zur Entspannung bei diesem Thema. Mich hat im Jahr 2009 die deutsche Botschaft in Bangkok mit Abschiebehaft bedroht und angekündigt, dass diese in Kürze vollzogen werden würde. Ich bekam Bedenken, denn einen Knastaufenthalt in Bangkok wollte ich mir nicht antun. Also flog ich nach Amsterdam und reiste von dort aus weiter mit dem Zug nach Deutschland. Ich habe mich dann in Emmerich/Kleve bei der Polizeiwache als gesuchter Straftäter wegen Unterhaltspflichtverletzung gestellt. Ich ging davon aus, ein Straftäter zu sein, denn sonst könnte die Botschaft mich nicht in Abschiebehaft stecken. So war meine Überlegung.
 
Ich betrat also das Polizeirevier, legte meinen Reisepass auf den Tisch und der Polizeibeamte schaute im Computer nach, ob ich gesucht werde. Dabei musste er leicht kopfschüttelnd grinsen, denn welcher Idiot stellt sich freiwillig der Polizei. Jedenfalls lag nichts gegen mich vor und ich dachte mir, dass es vielleicht einige Zeit dauern könnte, bis eine Fahndung nach mir bis ins hinterste Polizeirevier vordringt. Und so ging ich täglich und pünktlich morgens 8 Uhr zur Polizei, um den aktuellen Fahndungsstatus abzufragen. Nach 5 Tagen waren die Polizeibeamten genervt und ich wurde zum stellvertretenden Dienststellenleiter geführt. Er bat mich, nicht mehr zu kommen. Wenn ich zur Fahndung ausgeschrieben werden sollte, dann würden sie mich suchen und finden. Das sei schließlich ihre Aufgabe. Ich bedankte mich für diese Information, trank meinen Kaffee aus und ging. Die Polizeibeamten waren alle sehr freundlich, wenn auch etwas genervt von mir.
 
Nach dem Besuch bei der Polizei ging ich täglich ins Rathaus und holte mir selbstverständlich als Obdachloser das Tagesgeld von 8,50 € in Form eines Gutscheines ab. Essen muss ich schließlich auch.
 
Während meines 4-jährigen Aufenthalts in Thailand bin ich jährlich mindestens zweimal nach Deutschland oder über Frankfurt in andere Länder gereist. Das war überhaupt kein Problem, obwohl ich das Auswärtige Amt und die deutsche Botschaft im Nacken sitzen hatte. Es ist eben doch alles viel Tamtam ohne wirkliche Nachteile. Selbst der Passentzug oder eine Passverweigerung ist eine hohe Hürde, die eine Behörde nicht so schnell und einfach überwinden kann. Genau aus diesem Grund ist die Beschaffung eines neuen Reisepasses direkt in Deutschland optimal und sehr sicher. Das ist keine Theorie, sondern die bewährte Praxis.
 
Auch der Einwand, dass es Gesetze gibt, die eine Pfändung im Ausland möglich machen, stimmt, lässt sich aber in der Praxis nur sehr schwer umsetzen. Wenn niemand weiß, wo sich der Unterhaltspreller aufhält, dann kann nicht gepfändet werden. Der Unterhaltspreller kann nur durch sich selbst auffliegen, indem er herumerzählt, wo er im Ausland zu finden ist. Dann muss sich natürlich niemand wundern, wenn das Konto eines Tages leer ist. Wer schweigen kann, der wird viele Jahre ein Leben in Ruhe führen können.
 
Es ist schon witzig, wie die Unterhaltsverfolger und die Exdamen fest daran glauben, dass der Unterhaltspreller im Ausland in Reichtum und Wohlstand lebt. Das ist nicht der Fall. Ausgewanderte Unterhaltspreller leben meist in einfachen Verhältnissen, aber die himmlische Ruhe ist das eingentlich Wertvolle. Keine Post, keine Pfändungen, keine Drohungen und keine Gerichtsprozesse. Das ist ein traumhafter Zustand. Frauen können es sich nicht vorstellen, dass vielen Männern das schon reicht, um glücklich zu sein.

Die Frage des Wohnortes im Ausland stellt sich nicht wirklich. Viele Unkundige meinen, dass die USA, Polen oder Norwegen Länder seien, in denen der deutsche Staat besonders gut und hart zuschlägt. Auch das eines von den vielen Märchen im Internet. Wenn niemand den Wohnort kennt, dann passiert auch nichts. Selbst wenn die Verfolger den neuen Wohnort eines Tages erfahren, dann ist immer noch genug Zeit, eine Ortsveränderung herbei zu führen. Es kommt kein Sondereinsatzkommando oder das SWAT-Team. Man sollte die Kirche im Dorf lassen. So wichtig ist ein Unterhaltspreller nicht.

In meinem Fall besuchte mich zwar das thailändische Sondereinsatzkommando mit schusssicheren Westen und sichtbarer Bewaffnung, aber das lag einfach daran, dass ich schlichtweg das große Maul hatte und mit dem damaligen deutschen Botschafter Dr. Hanns Schumacher einen Kleinkrieg führte. Ich habe damals einfach unterschätzt, dass selbst ein Botschafter zu illegalen Mitteln greift, sobald er seine legalen Möglichkeiten erschöpft sieht. Belangt wurde er dafür nicht, meine anwaltliche Dienstaufsichtsbeschwerde beim Auswärtigen Amt in Berlin wurde kreativ abgebügelt.

Die thailändische Polizei war sehr besonnen und höflich. Nach ihrem Besuch fuhren sie mit ihren drei Jeeps wieder davon, ohne mich zu verhaften und ohne mich jemals wieder zu belästigen. Nach dieser Aktion war ich stadtbekannt und sie ist heute noch eine schöne Geschichte am Stammtisch.

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