• 22.10.2018

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Die Kombination aus Wut, Ohnmacht und Sturheit hat einen Namen

vaeterwiderstand

» Artikel vom

Die Frage nach dem Namen ist schnell beantwortet: Der Väterwiderstand! Aber der Reihe nach.

Kinder werden den Vätern aus den verschiedensten Gründen vorenthalten. Die Gründe spielen primär erst mal weniger eine Rolle, denn im Trennungsstreit sind Kinder eben die beliebtesten Waffen der Exfrauen. Im Trennungskrach stehen aber auch die Männer, freilich mit anderen Mitteln, den Frauen in nichts nach. Dieser pluralistische Zusammenhang führt oftmals zu langfristigen juristischen Auseinandersetzungen.

Trennungsväter erscheinen in der Öffentlichkeit als die Opfer schlechthin, denn meistens verlieren sie vor dem Familiengericht nicht nur ihr sauer verdientes Geld, sondern auch den Kontakt mit ihren Kindern, nebst allen anderen Rechten. Einem Mann wird kurzerhand alles abgenommen. Da verwundert es wirklich, dass es immer noch Männer gibt, die sich eine Zweitfrau zulegen und weitere Kinder produzieren. So richtig skurril wird es, wenn die Zweitfrau zu einer Väteraktivistin wird, weil die Erstfrau die ganze Kohle absahnt und sie selbst leer ausgeht oder ihren Ehemann sogar finanzieren muss. Es ist stets besonders lustig, wenn sich zwei Frauen um die Kohle eines Mannes streiten.

Nun gibt es die verschiedensten Foren für Trennungsväter, unter anderem die redlichen und anständigen Väter vom Väterwiderstand.de. Der Väterwiderstand ist ein ganz besonders rechthaberischer und ebenso erfolgloser Verein für die abgefertigten und entsorgten Väter. Der Väterwiderstand zeigt weder brauchbare Lösungen, noch erfolgreiche Verfahrenswege auf, wie der Kindesumgang gegen den Willen der Mutter gerichtlich durchgesetzt werden kann. Im Gegenteil. Der Väterwiderstand empfiehlt die Auflehnung gegen das Rechtssystem mit der Empfehlung zur Verwendung seines Stacheldraht-Logos bei jedem Schriftverkehr mit Behörden und Justiz. Das soll dort Eindruck machen und für Bekanntheit sorgen.

Darüber hinaus ist der Väterwiderstand nicht in der Lage, die gebräuchlichsten Gerichtsprozeduren allgemeinverständlich zu vermitteln, geschweige denn brauchbare Tipps zu geben. Das macht den Väterwiderstand sinnlos und unbrauchbar. Mit der neu gestalteten Blacklist will man namentlich vor Personen im Familienrecht warnen, die angeblich besonders ungerecht gegen Väter agieren sollen. Diese Namensveröffentlichung bringt überhaupt keinen Nutzen. Im Gegenteil, solche und ähnliche Warnungen in Form von Schwarzen Listen provozieren nur neue Gerichtsprozesse ohne jeden Mehrwert. Hauptsache sich, meist anonym, auskotzen und jammern.

Dabei müsste einem redlichen und anständigen Vater, der entsorgt wurde, eines klar sein: Wer wirklich Umgang mit seinem Kind möchte, der muss sich sachlich und emotionslos dem rechtsstaatlichen System stellen. Er muss die Gesetze akzeptieren und die Zivilprozessordnung einhalten. Daran scheitert es bereits, weil nicht nur der Väterwiderstand davon keine Ahnung hat, sondern leider auch die meisten Familienrechtsanwälte.

Ein klagefreudiger Papi muss die Zivilprozessordnung (ZPO) und die Kniffe dazu kennen. Er muss sich mit der Denk- und Arbeitsweise von Richterinnen und Anwältinnen vertraut machen. Weiterhin sollte der entsorgte Vater sich bewusst sein, dass ohne Geld nichts geht. Es ist in Deutschland so, dass nur mit ausreichenden finanziellen Mitteln bestehendes Recht wirkungsvoll durchgesetzt werden kann. Alles andere ist Wunschdenken.

Und die ZPO zu verstehen ist nun wirklich nicht so schwer. Mutti verweigert den Kindesumgang und Papi will klagen. Das ist sein gutes Recht, doch bevor die Klage eingereicht wird, werden bereits elementare Fehler gemacht, die den Sieg der liebsten Exfrau praktisch sichern. Die Kernfrage, gerade beim Umgang, ist die, ob Papi wirklich als Vater und Erzieher eines Kindes geeignet ist. Die bloße Behauptung wie beim Väterwiderstand, der als Beweis lediglich anführt, dass die Erziehungsfähigkeit alleine durch die Vaterschaft praktisch schon gegeben sei, ist Schwachsinn, der nicht mehr zu toppen ist.

Der Eignungsnachweis zum Papi und Vater sollte der Klage beiliegen und diese untermauern. Dazu ist vorher ein privat beauftragtes Gutachten, ein sogenanntes Parteigutachten, von einem öffentlich bestellten Sachverständigen genau über diese Eignung zu erstellen. Dieser Sachverständige sollte gerichtsbekannt sein und obendrein die mehrheitliche Meinung allgemein anerkannter Fachleute wiedergeben sowie schlüssig vertreten können. Irgendwelche selbsternannte Experten mit einem Gefälligkeitsgutachten bringen überhaupt nichts. Der Vorteil eines Parteigutachtens liegt auf der Hand. Der Sachverständige dient künftig als sachkundiger Zeuge des Antragstellers und sein Gutachten wird als Bestandteil der Klage beachtet werden müssen. Im Gerichtsprozess wird eine Richterin zwar einen neuen Sachverständigen bestellen, der die gesamte Gerichtsakte erhalten wird, doch das Privatgutachten ist darin enthalten und die eigenen Beschlussfragen bekommen dadurch ein völlig anderes Gewicht. Obendrein kann ein Privatsachverständiger die Beschlussfragen des Gerichts an den neuen Sachverständigen positiv beeinflussen. Dabei werden zwar hohe Kosten anfallen, doch wer tatsächlich gewinnen will, der wird um diese Verfahrensweise und um ein Spiel nach den Regeln der deutschen Rechtsprechung nicht herum kommen.

Die meisten Väterrechtler kennen den Verfahrensweg kaum, sonst würden sie nicht den prolligen Kampf empfehlen, sondern Möglichkeiten aufzeigen, die mit der ZPO im Einklang stehen. Gewinnen oder verlieren hängt nicht von unbewiesenen Behauptungen ab, sondern von Fakten. Das Parteigutachten eines bei Gericht anerkannten Sachverständigen zeigt zudem bereits vor der Klageeinreichung, wie die Chancen überhaupt stehen. Ein seriöser Sachverständiger wird sich zwar nicht zu juristischen Fragen äußern, aber den Ist-Zustand und die Abweichungen zum Soll-Zustand schlüssig aufzeigen. Die juristische Aufarbeitung obliegt dann den Juristen. Es ist völlig klar, dass ein Rechtsanwalt mit einem sachkundigen Parteigutachten viel besser argumentieren kann. Er liefert damit Beweise, statt aus der Luft gegriffene Behauptungen, die sehr leicht vom Tisch gewischt werden können.

Die Annahme, dass man während des Gerichtsverfahrens bei Bedarf ja immer noch ein Parteigutachten beauftragen kann, ist falsch. Ein Parteigutachten, zeitlich nach dem Gerichtsgutachten erstellt, hat keinen Wert.

Die hier angerissenen Verfahrenswege können nicht vollständig sein, zeigen aber klar die Fehler, die von den meisten Vätern gemacht werden. Es wird auch deutlich, dass ohne ausreichenden Geldeinsatz so ein Verfahren wenig erfolgversprechend ist. Wem die finanziellen Mittel fehlen, der sollte es gar nicht erst versuchen. Ohne Geld braucht man sich nicht an die Startlinie stellen. Wer verlieren möchte, der kann es ja versuchen, aber dann bewegt er sich auf dem Loser-Niveau des Väterwiderstands mit seinem Stacheldrahtlogo als Qualitätssiegel für die besonders Erfolglosen.

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