• 28.07.2017

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Die anspruchsvolle Rasur des Mannes

rasur

» Artikel vom

Ich bin für gute Ideen immer offen und wenn es sich um eine Idee handelt, die mir selbst ein Problem löst, dann schreibe ich sogar ganz offiziell einen Artikel darüber. Bisher habe ich alle Anfragen von irgendwelchen Werbefuzzis abgewimmelt. Ich mache grundsätzlich keine Werbung für ein Produkt, das ich nicht kenne, nicht brauche und noch nie in der Hand gehalten habe. Das sind die Hauptgründe, warum ich diese Pappnasen links liegen lasse.

Obendrein ist meine direkte Art natürlich nicht mehr so gefragt, wenn es Kritik gibt. Doch schlaue Unternehmer nehmen Kritik sehr ernst und handeln weise. Danach gibt es eine Information über eine generelle Produktverbesserung und auch das kann marketingstrategisch wunderbar ausgeschlachtet werden.

Die Firma King of Gents – Eine Unternehmung der Businessrebells GbR mailte mich wie folgt an.

„Hallo Herr Bräunig,
Wir sind ein kleines Startup und möchten die eingeschlafene Altherren-Nassrasurszene völlig "rasieren". Wir nehmen uns dazu selbst nicht zu ernst, unter anderem auch weil wir die traditionelle Nassrasur wieder ein neues Image verpassen wollen.

Hättest Du Interesse ein Review über uns zu machen? Würden Dir dazu gerne ein Nassrasurset zukommen lassen

Beste Grüße
Gunnar“

Aber klar doch, immer her damit. Schließlich habe ich in der Tat Bedarf an einem guten Rasierer. Von den Billigrasierern von Norma und Lidl habe ich schon lange die Schnauze voll. Und ein Gilette sieht mir einfach zu bescheuert aus. Es ist bekannt, dass ich klassische Dinge sehr mag. Warum nicht wieder zurück zu Altbewährtem und den klassischen Rasierhobel ausprobieren.

Das Päckchen war ziemlich flott da und dafür gibt es einen dicken Pluspunkt. Ich konnte es jedoch erst am Samstag abholen, weil ich die ganze Woche unterwegs war. Wie auch immer. Punkt 8 Uhr war ich bei der Poststation und die Dame kennt mich gut. Sie spricht mich immer mit meinem Namen an, aber ich muss beschämt zugeben, dass ich ihren Namen nicht kenne. Das ist unhöflich von mir und muss sich ändern.

Zu Hause riss ich neugierig das Päckchen auf. Ich liebe Geschenke. Beim Öffnen der Karton-Box kam mir ein komischer Geruch entgegen. Mein Lektor, den ich sofort anrief, meinte, dass es vielleicht der Karton sei, der etwas müffelt. Na gut.

Ich schaute mir den Rasierhobel an. Ja, er liegt gut in der Hand und macht einen sehr soliden und wertigen Eindruck. Ein Blick auf Amazon verriet mir, dass vergleichbare Rasierhobel ohne Klingen um die 30 Euro kosten. Das ist durchaus ein satter Preis.

Der Pinsel hat eine gute Größe, der Griff ist aber wohl aus Plastik, wie auch der Ständer. Plastik passt zu einem hochwertigen Set überhaupt nicht. Und wo soll ich den Rasierhobel aufhängen? Das ist schlecht durchdacht. Besser wäre ein stabiler Ständer aus Edelstahl, wo beide Utensilien Platz haben und nett anzuschauen sind.

Die Rasierseife ist ein rundes Seifenstück, doch auch hier, wohin damit? Wenn ich das Teil in der Hand halte, dann habe ich mehr Seife an den Fingern, als auf dem Pinsel. Und wo kann ich die Seife aufbewahren? Die müsste in eine Holz-, Keramik- oder Porzellanschale mit Deckel. Das Produktdesign hat mit Sicherheit eine Frau vollbracht. Anders kann ich mir solche Ungereimtheiten nicht vorstellen.

Der mitgelieferte After Shave Balsam ist wirklich sehr gut. Er ist ein wenig ölig und hat einen feinen, unaufdringlichen Duft. Ich mag es zwar etwas herber, aber dafür übertönt dieser Duft nicht mein Parfüm, das ich mir vorzugsweise hinter die Ohren sprühe. Der Balsam ist sehr ergiebig und kann ganz dünn verwendet werden. Er ist ausgezeichnet und erhält die volle Punktzahl auf der nach oben offenen Dino-Skala.

Genug der Trockenübungen. Auf ins Bad und den Rasierhobel fit gemacht, um mich nach dem Duschen gleich damit rasieren zu können. Ja, der Rasierhobel arbeitet sauber und zuverlässig. Ich fühlte mich danach gut und der Balsam liegt auch prima auf der Haut. Dieser Balsam ist zweifelsfrei besser als ein After Shave mit Alkohol, das meist etwas brennt. Der Balsam beruhigt die Haut, so wie es sein soll.

Nach meiner Rasur fuhr ich zu einem Termin nach Leipzig. Als ich nach einigen Stunden zurückkam, zog der gleiche komische Geruch durch meine Nase, der mir schon beim Öffnen des Kartons auffiel. Scheiße, was riecht denn hier so? Den Karton hatte ich vor meiner Abfahrt bereits entsorgt, der konnte es also nicht sein. Ich folgte dem Geruch und es war der Pinsel. Mein Gott. Hat da meine Ex drauf gepullert oder was? Nein, der muss weg. Ich machte noch fix ein Foto und danach wanderte er gleich in die Mülltonne vor meinem Haus. Schön, dass ich dabei meine junge Nachbarin zu einem Plausch traf. Aber zurück zum Rasierset.

Die Idee des Rasiersets ist wirklich gut, aber noch nicht optimal umgesetzt. Hier muss Gunnar nachbessern. Die Zielgruppe sind eindeutig Singlemänner oder Männer, die mit Knete gut ausgestattet sind. Da spielen 10 Euro mehr oder weniger keine größere Rolle. Sicherlich könnte man auch zwei oder drei Qualitäten mit unterschiedlichen Accessoires anbieten. Ein Set muss einfach vollständig und vollendet sein. Das erwarte ich schließlich auch von mir selbst. Perfektion bis ins Detail.

Was mich überrascht hat, ist der dem Rasierset beigelegte Outfittery Gutschein über 25 Euro. Doch welcher selbstbewusste Mann lässt sich von der alleinerziehenden Lea von Outfittery einkleiden? Ich jedenfalls nicht. Wenn ich wissen will, was geil aussieht, dann frage ich bestimmt keine Frau. Um es anders zu sagen: Welcher Klamottengeschmack wird einem Mann unterstellt, den man zu Outfittery schickt? Das ist eine Beleidigung. Also, lieber Gunnar. Raus mit diesem Gutschein. Weniger ist manchmal mehr. Und wenn Du nicht weißt was ich meine, dann schenke Deiner Freundin eine Faltencreme und achte auf ihre Reaktion.








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