• 17.02.2018

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Die Liga der Gentlemen

renovieren

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Kathrin (32) zieht um, denn ihre Wohnung ist ihr zu teuer, nachdem ihr Freund sie verlassen und das Weite gesucht hat. Kathrin könnte die Miete zwar alleine aufbringen, doch dann bliebe ihr zu wenig zum Shoppen. Sie hat eine günstige Wohnung gefunden, die aber zuerst renoviert werden muss. Einen professionellen Umzug kann sie sich nicht leisten, denn ihr Konto pendelt immer am Limit und oft ist ihr Dispo ausgereizt.

Seit Jahren schwänzelt der nette Thorsten um sie herum. Immer wenn er Kathrin sieht, lächelt er schon von weitem und bietet, wann immer es geht, seine Hilfe in allen Belangen an. Kathrin weiß, dass Thorsten immer für sie da ist, aber er ist einfach nicht ihr Typ und von einem richtigen Mann meilenweit entfernt. Immer wenn er Kathrin in der Straßenbahn sieht, steht er auf, so dass sie sitzen kann. Er trägt ihre schweren Einkaufstaschen und ist stets ausgesprochen höflich und zuvorkommend zu ihr. Thorsten ist eben ein Netter, aber er kommt nie zum Stich. Doch nun steht der leidige Umzug an und Kathrin braucht dringend eine günstige Lösung. Also setzt sie geschickt ihren weiblichen Charme ein. Sie erzählt Thorsten, dass sie es ganz toll findet, wie er sich immer um sie kümmert. Jedoch brauche sie noch etwas Zeit, um ihre letzte Enttäuschung zu verarbeiten, aber dann sei sicherlich mehr vorstellbar. Sie macht dem netten Thorsten eindeutig Hoffnung, dass er ihr nächster Freund sein wird.

Thorsten fühlt sich wie im siebten Himmel. Er renoviert Kathrins neue Wohnung, streicht, schleift, spachtelt, tapeziert und macht die Wohnung mit Feuereifer zu einem wahren Schmuckstück, denn er träumt davon, hier bald bei Kathrin einziehen zu dürfen. Kathrin ist schlau. Sie hält die Spannung bei Thorsten hoch, lässt ihn aber nicht an die Muschi. Thorsten ist hochmotiviert, denn wenn alles schön gemacht ist, dann hat er es geschafft und darf ganz bestimmt ihre Muschi lecken und einlochen.

Die neue Wohnung ist perfekt saniert und auch den Umzug organisiert Thorsten selbstverständlich. Er mietet einen LKW und trommelt seine Freunde zusammen. Sie schleppen die Möbel und die unzähligen Kisten mit den Klamotten und dem Plunder von Kathrin. Die Arbeit ist getan und Thorsten lechzt nach seiner Belohnung. Er hat nicht nur viel Mühe und einen Haufen Zeit investiert, sondern selbstverständlich auch alle Umzugskosten übernommen. Für seine große Liebe ist ihm nichts zu teuer. Kathrin hat sich über die vorzügliche und engagierte Arbeit von Thorsten gefreut, aber sie hat schon längst einen Plan geschmiedet, wie sie ihn wieder von der Pelle bekommt. Sie erzählt ihm unter Tränen, dass sie nun in eine Therapie gehen müsse, weil sie ihre letzte Beziehung noch immer nicht verarbeitet hat und das könnte Jahre dauern. Ihr Therapeut habe ihr dringend davon abgeraten, eine neue Beziehung anzufangen. Thorsten ist geknickt, aber seine Kathrin kann ja nichts dafür. Thorsten ist entsetzt bei der Vorstellung, was für ein schlimmer Typ ihr letzter Freund gewesen sein muss und zeigt großes Verständnis. Kathrin soll angeblich jeglichen Männerkontakt meiden, um sich stabilisieren zu können. Deswegen darf Thorsten auch nicht mehr zu ihr kommen. Thorsten geht und Kathrin ist stolz, wie sauber sie das doch hinbekommen hat. Am gleichen Abend geht sie zu einem Date mit Uwe, denn sie wollte immer schon zum Edelitaliener „Napoli“, den sie sich ohne Sponsor nicht leisten kann. Uwe ist ihr egal, aber die Chance, sich im angesagtesten Lokal der Stadt zu präsentieren, will sie sich nicht entgehen lassen. Ihre Freundinnen werden neidisch sein, wenn sie ihnen davon berichtet.

Thorsten ist mit der Welt fertig, hat er doch alles getan, was Kathrin von ihm erwartete und ihr jeden Wunsch von den Augen abgelesen. Nun muss sich sein Freund schon stundenlang seine Sorgen anhören. Sein Rat an Thorsten: Weiber sind faul und geldgeil. Sie suchen nur ihren Vorteil und nutzen einfach zu gerne die netten Männer aus. Gerade die Waschlappen und Dauergrinser haben die Arbeit, aber einlochen dürfen nur die Ärsche. Doch wie soll Thorsten aus seiner Haut heraus und sein dümmliches Dauergrinsen abstellen? Er wird weiterhin jeder Frau die Tür aufhalten und ungefragt die schwere Einkaufstüte tragen. Nein, er will sich nicht ändern, er will kein Macho oder Aufreisser sein. Er liebt und verehrt die Frauen und Frauen brauchen schließlich in vielen Lebenslagen seine Hilfe. Er glaubt an die gleichberechtigte Partnerschaft und daran, dass es noch ehrliche und aufrichtige Frauen gibt. Irgendwann wird so eine Frau seine einmaligen Vorzüge erkennen und zu schätzen wissen.

Dabei hatte Thorsten vor Jahren schon einmal eine große Liebe gefunden, die aber bald vor dem Scheidungsrichter endete. Er zahlt nun immer pünktlich und in voller Höhe den Unterhalt an seine Exfrau, obwohl ihm dadurch selbst nur wenig zum Leben bleibt. Er kann sich nicht vorstellen, dass sein geringes verfügbares Einkommen ein echtes Hindernis für eine neue Beziehung sein könnte. Nein, Liebe kostet doch kein Geld und was er bereit ist für seine Partnerin zu tun, das lässt sich mit allem Geld der Welt nicht aufwiegen.

Thorsten findet seinen Kumpel Alex oft peinlich. Wenn sie abends weggehen, dann parkt der seinen Mercedes AMG immer mitten auf dem Bürgersteig direkt vor der Bar. Es ist ihm völlig egal, ob er einen Strafzettel bekommt, denn er ist der Meinung, dass Frauen seine fette Karre sehen müssen. Das macht das Aufreißen eines Fickfetzens viel leichter. Frauen stehen eben auf Kohle und dicke Karren, so sein Freund Alex. Und er hat immer schon nach wenigen Minuten eine Frau an der Angel. Thorsten geht wie immer leer aus und muss mit dem Taxi heimfahren, weil Alex seinen Fickfetzen im AMG flachlegt. Nein, so ein Arsch wie Alex will er nicht werden.

Dennoch wundert sich Thorsten immer wieder, warum Frauen auf seine billigen Tricks hereinfallen. Warum nur stehen Frauen auf solche Idioten und lassen sich gleich am ersten Abend von ihnen nageln. Nein, so eine Frau möchte er nicht. Thorsten möchte eine anständige Frau, der wahre Werte wie Treue und Liebe noch etwas bedeuten. Darüber muss Alex immer lachen. Er versucht Thorsten zu überzeugen, dass es die wahre Liebe nur in den Märchen gibt. Die Frauen stehen nun mal auf Kohle und auf ein angenehmes Leben, aber Thorsten will es einfach nicht begreifen. Thorsten ist ein unverbesserlicher Träumer und er wird immer der Depp sein, den die Frauen zwar als willigen Dienstleister zu schätzen wissen, aber abspritzen dürfen nur Typen wie der Alex.

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