• 24.11.2017

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Wer im Leben scheitert

scheitern

» Artikel vom

Versagen und Scheitern sind besonders in Deutschland negativ belastete und stigmatisierende Begriffe. Niemand will selbst scheitern und möglichst auch nichts mit Gescheiterten zu tun haben, um nicht in deren Abwärtssog zu geraten. Dabei liegen im Scheitern erstklassige Chancen, sein Leben radikal und neu zu sortieren.

Es ist sicherlich schwierig, ein Allgemeinrezept gegen das Scheitern zu entwickeln, aber wer einige Kleinigkeiten beachtet, kann nicht so leicht ins Nichts oder in die Armut abrutschen. Arbeitnehmer sind auf regelmäßige pünktliche Lohnzahlungen angewiesen. Die Uhr zur Zahlung von Miete, Versicherungen und Kreditraten tickt erbarmungslos und wenn mal etwas zu viel geshoppt wird, dann muss der Dispo in Anspruch genommen werden. Das ist der größte Fehler, mit dem das Scheitern oft beginnt. Wer von seinem Gehalt nichts sparen kann, muss seine Kosten drücken. Radikal und konsequent. Ausreden, dass es gerade schwierig sei, die gibt es immer, aber es locken wesentliche Vorteile. Wer überschaubare Kosten hat und obendrein etwas sparen kann, steht beispielsweise bei einer unerwarteten Kündigung, die jeden treffen kann, wunderbar in der ersten Reihe. Mit einem Geldpolster besteht unmittelbar keine Gefahr, seinen Verpflichtungen nicht mehr nachzukommen. Das ist eine komfortable Situation, die man sich aufbauen kann und muss. Gerade junge Männer sollten sich überlegen, ob es unbedingt ein neues Auto auf Kredit sein muss, was ihre Liquidität für lange Zeit gefährlich schwächt.

Wer das doppelte Glück hat, nicht nur seinen Job, sondern auch seine geliebte Ehefrau zu verlieren, hat in der Regel keinen Cent mehr in seiner Geldbörse. In diesem Augenblick fällt dem treudoofen Ehemann ein, dass er doch ein kleines Finanzpolster hätte ansparen sollen. Ja, er war richtig doof, einem anderen Menschen grenzenlos zu vertrauen. Nun ist alles weg. Sobald es im Job mal kriselt und das Geld etwas knapper wird, dann ist auch die Liebe meist am Ende. Ehemänner sollten stets ein kleines Finanzpölsterchen bei einem oder besser mehreren Treuhändern hinterlegen. Das schafft Sicherheit und ermöglicht einen Neustart, wenn Mutti mit der Kohle den Hasenfuß macht.

Diese Fallbeispiele sind noch harmlos. Hart wird es, wenn der Gerichtsvollzieher klingelt und das letzte Hab und Gut einpackt. In unbezahlbare Schulden abzugleiten kann passieren, aber sich dann auch noch vom Gerichtsvollzieher abzocken zu lassen ist dämlich. Manche sind völlig überrascht, wenn der Gerichtsvollzieher aufschlägt, aber das ist es eben nicht. Vorher gab es Mahnungen, Mahnbescheide oder Gerichtsurteile, was unweigerlich zu Pfändungen führt. Wer alle Warnschüsse ignoriert, dem ist eh nicht zu helfen.

Völlig Pleite zu sein ist nicht das Ende des Lebens. Pleite sein heißt nur, dass gewisse Dinge nicht mehr gehen. Es gibt keinen Handyvertrag, mit einer Mietwohnung sieht es schlecht aus und es gibt auch keine Kredite mehr. Wer, aus welchen Gründen auch immer, komplett ausgeplündert wurde, hat bis auf wertlosen Plunder schlichtweg nichts mehr. Frau und Kinder sind da schon lange weg. Die Bude ist leer, nichts ist mehr da und man ist am Ende. Vermeintlich am Ende. Wer alles verloren hat, der hat aber auch Grund zur Freude, denn der belastende Rucksack ist komplett leer. Kein Ballast, keine Bindungen und keine Verpflichtungen, nur die Schulden bei den Gläubigern sind noch da und die eigenen Fähigkeiten, das Fachwissen und die Qualifikationen.

Genau das wird gebraucht, um schnell wieder auf die Füße zu fallen. Es muss eine Firma gefunden werden, die dringend so eine Fachkraft sucht. Und Arbeitgeber bekamen schon immer einen Harten in der Hose, wenn sie hören, dass man sehr gerne arbeiten will, aber bitteschön zu nicht mehr als 1.050,- Euro netto im Monat. Im Gegenzug braucht man ein wenig Starthilfe in Sachen Wohnung und anderen lebensnotwendigen Dingen. Ein Arbeitgeber kann sich durchaus rührig um seine Jünger kümmern, wenn er selbst in Not ist. So ein Arbeitgeber muss gesucht und gefunden werden. Das entscheidende Quäntchen Glück hat immer nur der Tüchtige. Wer seine Weiterbildung konsequent betreibt, steht nach echten Niederlagen relativ schnell wieder auf.

Der Weg aus der Krise kann flott gehen, wenn man sich anstrengt und offen wie auch selbstkritisch mit seiner Situation umgeht. Spielchen oder Racheakte vernebeln nur den eigenen Kopf. Das ist verschwendete Energie. Viel wichtiger ist der Blick in die Zukunft. Gerichtsvollzieher und Schulden müssen akzeptiert werden. Die Pfänderei hört meist ziemlich flott auf, sobald nichts Verwertbares mehr da ist. Und das ist genau der richtige Zeitpunkt für den Neustart.

Ein privater Sender hat vor einiger Zeit über einen tollen Fall berichtet, wie sich ein Manager, der rausgeworfen wurde und dadurch in die Armut abrutschte, wieder aufrappelte. Sein Vater gründete eine kleine Putzfirma, in der sein Sohn, der ehemalige Manager, als einziger Angestellter arbeitete. Er ging nun nachts immer fleißig putzen. Büros, Supermärkte und tagsüber einige Privatwohnungen. Er verdiente dabei unterhalb des Pfändungsfreibetrages und sein Papi bekam so einigen finanziellen Spielraum, um seinem Sohn zu helfen. Innerhalb eines Jahres hatte sich dieser Pleitemanager aus seiner eigenen Armut befreit und konnte wieder anständig leben. Natürlich bleiben die Schulden bestehen und ob eine Privatinsolvenz das Allheilmittel ist, darf bezweifelt werden. Wer einige Jahre mit seinen Schulden gut leben konnte, der wird es auch für den Rest seines Lebens können. Man darf sich niemals mit Dingen beschäftigen, die nichts einbringen, außer Arbeit und endlosen Frust.

Es gibt unzählige Facetten, um wieder auf die Füße zu kommen. Ein Unterhaltspflichtiger, der mir sehr gut bekannt ist und dem von seiner Ex alles weggepfändet wurde, hat sich nach einigen Monaten tiefster Depressionen wieder aufgerappelt und sich einen Job mit 25 Stunden pro Woche besorgt. Damit verdient er unter dem Pfändungsfreibetrag und ist krankenversichert. Die Differenz, die er zum Leben braucht, verdient er Cash. Er putzt und repariert Autos. Seine Ex kann nichts mehr machen, weil sein offizielles Gehalt nicht pfändbar ist. Der Rest ist nicht beweisbar. Nach einigen Pfändungen hat sich dieser Kumpel daran gewöhnt und kommt mit dem Gerichtsvollzieher bestens klar. Er arbeitet mit ihm sehr eng zusammen. Das kann man immer tun. Nur Geld gibt es leider nicht.

Es ist müßig darüber zu diskutieren, warum es in Deutschland nicht möglich ist, nach einer Pleite mit erhobenem Haupt wieder neu zu starten. Es ist einfach eine Tatsache, die zu akzeptieren ist. Dagegen anzukämpfen ist verschwendete Energie. Es ist klüger, Nebenwege zu beschreiten und mit etwas Kreativität ist vieles möglich. Sicherlich muss dabei experimentiert werden und dabei wird es weitere Niederlagen geben. Wer aber sein Ziel nicht aus den Augen verliert, wird es am Ende schaffen. Die aufgeführten Beispiele, die einfach klingen, sind auch einfach. Wer nichts riskiert, wird nie gewinnen und wer nichts zu verlieren hat, kann immer volles Risiko fahren.

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