• 28.07.2017

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Im Namen des Volkes

justiz

» Artikel vom

Eine hübsche Klage flatterte mir vor einigen Wochen ins Haus. Streitwert 50.000,- Euro. Endlich mal ein Gegner, der den Wert des Männermagazins fast richtig sieht. 50.000 Euro sind freilich noch zu wenig, aber der Anfang macht durchaus Hoffnung auf mehr.

Selbstverständlich wurde die Klage gegen mich bei einem Landgericht eingereicht. Bekanntlich herrscht vor dem Landgericht Anwaltszwang, weil nur Juristen in der Lage sind, die deutschen Gesetze richtig zu verstehen. Klar, der kleine Mann kann dieses komplizierte Machwerk nicht kapieren. Dazu muss man schon das deutsche Recht studiert haben. Eigentlich ist das ein echter Lacher, denn welcher Anwalt kennt wirklich das deutsche Recht? Anwälte machen für Geld alles und deswegen tragen sie wohl zurecht Titel wie Mietmaul oder Anwaltsnutte.

Nun sind Klagen gegen mich nichts besonders. Das perlt bei mir ab und erzeugt allenfalls ein müdes Lächeln. Vor dem Landgericht verliere ich grundsätzlich, weil ich keinen Anwalt nehme. Diese Art des Verlierens heißt Versäumnisurteil. Warum der deutsche Bürger sich nicht selbst verteidigen darf, das können Juristen genau erklären, aber interessieren tut es niemanden. Es geht um die Fakten des Rechts und die sind demokratisch, fair, ausgewogen und gerecht. Nein, da gibt es nichts zu lachen, das ist mein voller Ernst.

Und so habe ich für das Landgericht spezielle Textbausteine entwickelt, damit ich nicht immer wieder das Rad neu erfinden muss. Der Antragsgegner, also ich, bekommt die nette und freundliche Einladung vom Landgericht zur Güteverhandlung und nachfolgend zur Hauptverhandlung. Dazu macht es wirklich keinen Sinn, vor dem Landgericht zu erscheinen, weil der Beklagte überhaupt nichts sagen darf. Er wird weder befragt, noch darf er etwas äußern. Anträge darf er logischerweise auch nicht stellen. Warum also sich die Mühe machen und zum Landgericht fahren? Nein, das ist verschwendete Energie und Lebensqualität.

Und so sieht mein nettes Standardschreiben für das Landgericht wie folgt aus:

„Sehr geehrter Richter XXX,

ich möchte weder an der Güteverhandlung, noch am Haupttermin am XXXX um XXXX Uhr teilnehmen. Sollte das Gericht auf mein persönliches Erscheinen bestehen, so bitte ich um entsprechende Information. Dann werde ich selbstverständlich anreisen.

Ich respektiere den Anwaltszwang vor dem Landgericht, verzichte jedoch auf einen Rechtsanwalt, damit dieses Gerichtsverfahren zügig durch ein Versäumnisurteil zu meinen Ungunsten erledigt werden kann.“

Der letzte Absatz sieht etwas unscheinbar aus, aber der hat es in sich. Er ist juristisch so wertvoll, dass er in meinen Urteilen beim Landgericht stets wortgenau protokolliert wird. Die Juristen ärgern sich anscheinend darüber, wenn sie so etwas lesen müssen. Absolut respektlos, gar eine Frechheit. Die Botschaft meines Schreibens ist, dass es mir völlig Schnuppe ist, wie und was sie urteilen. Einfach restlos egal, das Urteil landet eh im Schredder. Was soll ich auch damit?

Zudem sage ich den Richtern nichts anderes, als dass ich das System des Versäumnisurteils restlos verstanden habe und die Gesetzeslage kompromisslos verstehe und umsetze. Es ist eben mein gutes Recht, durch ein Versäumnisurteil zu verlieren. Dagegen spricht überhaupt nichts. Ein Aufreger ist es für das Landgericht allemal. Schließlich befassen sich mit meinen Fällen jeweils bis zu drei Richter, die alle höchsten Respekt genießen wollen und tiefe Verneigungen erwarten, während der Beklagte gespannt den wohl geformten Worten der höchsten Juristen lauscht. Und da kommt so ein kleiner Fuzzi vom Männermagazin und erscheint erst gar nicht. So wollen das die Richter freilich auch nicht, aber sie haben das deutsche Recht zu befolgen. Und das sieht so aus, dass sie mir den Buckel runterrutschen können.

Niemand kann bei mir das liebe Geld absaugen. Die Klägerin und ihr weltbester Jurist wollen ganz fett Kasse machen. Aber diese Rechnung will einfach nicht aufgehen. Vielleicht wissen sie es, vielleicht wissen sie es nicht.

Und so wird in Kürze noch eine Klage in der gleichen Sache wegen Schadenersatz und Schmerzensgeld eintrudeln. Auch da geht es um 50.000,- Euro oder mehr. Ich kann es noch nicht genau sagen, denn die Klage muss erst noch geschrieben werden. Die hohen Streitwerte resultieren daraus, dass der Anwalt der Klägerin so richtig dick Kohle abstauben kann. Und das hat er sich auch verdient, denn gegen mich gewinnen diese Staranwälte vor dem Landgericht immer. Dass es nur ein Versäumnisurteil ist, schmälert nicht den finanziellen Erfolg des Anwalts, aber er plündert damit die Kasse der Klägerin. Von mir gibt es nichts.

Natürlich kann die Klägerin mit dem Gerichtsurteil den Gerichtsvollzieher in die Spur schicken. Ich kenne den Obergerichtsvollzieher und er ist freundlich, sachlich, wie auch korrekt. Er macht eben nur seine Arbeit und das möglichst emotionslos. Panik und Stress kennt er zur Genüge, aber bei mir läuft alles sehr friedlich ohne böse Worte ab. Es klingelt an der Tür, der Obergerichtsvollzieher kommt herein und ich biete Kaffee oder Saft an. Er lehnt ab, weil er einfach zu viele Termine hat. Damit ich die Arbeit des Obergerichtsvollziehers erleichtere, habe ich immer eine spezielle Akte bereit, die er gleich mitnehmen kann. Der Inhalt ist banal, aber dennoch wichtig:

1.) Kopie Reisepass (mein Personalausweis ist abgelaufen)
2.) Kopie Meldebestätigung
3.) Kopie Krankenkasse
4.) Kopie Schreiben vom Jugendamt über Unterhaltspflicht
5.) Schreiben Staatsanwaltschaft Einstellung des Strafverfahrens nach §170 StGB von 2012 und 2015 (kein Zwang, aber liest sich prima)
6.) Kopien der letzten 20 Gehaltsabrechnungen (das sollte reichen)

Da ich kein Konto und keine Vermögenswerte besitze, ist die Sache flott erledigt. Ist nichts Pfändbares da, dann zahlt die Auftraggeberin den Obergerichtsvollzieher aus der eigenen Tasche. Das dürfte um die 200,- Euro sein. Zwar fragt sich jeder, warum überhaupt noch bei mir gepfändet wird, aber die Unbelehrbaren sterben einfach nicht aus. Ich behaupte zwar, dass ich bettelarm bin, aber manche wollen es einfach nicht glauben. Nun gut. Da muss jeder seine eigenen Erfahrungen machen.

Und so gibt es in den Gerichtsprozessen nur einen wahren Sieger. Das ist der Rechtsanwalt der Klägerin. Nur er macht Kasse. Die Klägerin muss den gesamten Gerichtsprozess abdrücken, die Richter ärgern sich über meine Respektlosigkeit und nur zwei können sich vor Lachen kaum halten. Der Rechtsanwalt und ich. Wir lachen zwar aus verschiedenen Gründen, aber in einem dürften wir uns einig sein. Wie doof kann man nur sein und sein Geld gegen mich verschleudern?

Mittlerweile sind meine Schulden aus den verlorenen Gerichtsprozessen beachtlich. Meine Gesamtschuldenlast geht langsam in Richtung 300.000,- €. Unterhaltsschulden und Gerichtsprozesse sind kostspielig. Ein teures, aber lustiges Hobby.

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