• 16.09.2018

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Leutnant Dino fliegt hoch hinaus und kommt Gott näher

cessna

» Artikel vom

Letztes Wochenende war ich einer Musik-Bar in München. Ich habe mir einen netten Platz an der Theke geangelt und bestellte bei der Thekenschlampe ein Glas Wasser mit frisch gepresster Zitrone sowie einem nicht zu grossen Eiswürfel. Sie guckte etwas blöd und bekam daraufhin die passende Erklärung, dass ich ein trockener Alkoholiker sei. Das stimmt zwar nicht, aber so erfüllte sie wenigstens bereitwillig meinen Wunsch.

Die Bar füllte sich und ich kam mit meinem Thekennachbarn ins Gespräch. Wir musterten die Ware, also die Frauen, und hatten anscheinend die gleichen Ansichten zum verfügbaren Angebot. Zu alt, zu häßlich, zu viel Schminke, zu kleine Möpse, schiefer Gang, steife Hüfte, Plattfüße, schiefe Zähne, Pickel im Gesicht, Tränensäcke, Müllbeutel, Gardine mit Goldkante, Dorfmatratze … da war nichts dabei, wo es sich lohnte, seinen Hintern vom Hocker zu heben. Nachdem das Hühnerthema schnell erledigt war, erzählte mir Claus, so hiess der Kollege, über sein Hobby. Er ist Pilot und hat einen Flugschein für diese Propellerkisten. Das war spannend und ich dachte mir: Warum nicht mal fliegen?

Gleich montags rief ich eine süddeutsche Flugschule an und bekam recht flott einen Termin für einen Schnupperflug. Ich fuhr zum Flugplatz, ging dort ins Büro und mich traf ja fast der Schlag, als ich meinem Fluglehrer vorgestellt wurde. Nein, es war kein Mann, sondern eine Frau, wahrscheinlich in meinem Alter, aber weil die Frauenhaut schnell runzelig wird, ähnelte sie eher meiner Mutter. In breitestem Schwäbisch stellte sie sich als Sabine Behrle vor und ich konnte mir das Grinsen kaum verkneifen. Jedenfalls erklärte sie mir, dass sie den Start und die Landung durchführt und ich ansonsten selber fliegen kann. Das klang nicht schlecht.

Da stand sie nun, klein, alt und wenig vertrauenserweckend, eine zweisitzige Cessna 150. Der Lack war stumpf und an vielen Stellen ganz ab, wie bei den Frauen dachte ich mir. Das Alter der Maschine überraschte mich doch etwas, mit Baujahr 1968 gerade mal zwei Jahre jünger als ich. Sabine sah meinen besorgten Blick und meinte, dass nur das Gehäuse des Fliegers alt sei. Die Maschine würde alle 50 Flugstunden durch einen zugelassenen Wartungsbetrieb professionell gewartet und die gesamte Technik regelmässig erneuert.

In meiner etwas überheblichen Art fragte ich die Fluglehrerin Sabine grinsend, ob sie denn Ölstand, Benzin, Reifendruck und sonstige sicherheitsrelevante Bauteile gecheckt habe. Sie bejahte, aber ich dachte mir, dass Frauen in solchen Dingen bekanntermassen etwas nachlässig sind. Also fragte ich sie, ob sie mir das mal zeigen könne, denn schließlich sei ich lernwillig. Wir opferten dafür eine halbe Stunde, aber für meine Sicherheit kann es ruhig etwas länger dauern. Danach erklärte mir Sabine die Steuerungselemente und die Instrumente wie Geschwindigkeits-, Höhen- und Drehzahlmesser sowie den Wendezeiger für einen koordinierten Kurvenflug. So viele Instrumente sind es nicht und nachdem ich das Gelernte wiederholte, ging es auch schon los. Die Maschine war doch etwas luftig und die Sitzheizung des AMG, den ich fahre und der mir nicht gehört, vermisste ich schon sehr.

Der Start war easy und Sabine machte das ganz gut. Es ging gemächlich, die maximalen 100 PS bei 2.500 Umdrehungen sind nicht gerade üppig, auf eine Höhe von 4.000 Fuss über dem Meer, was etwa 1.200 Metern entspricht. Dann übernahm ich das Steuer, natürlich vorsichtig, denn ich will schließlich nicht gleich abschmieren. Sabine schien zufrieden und lehnte sich entspannt zurück. Dann flog ich auf und ab sowie einige Kurven. Das war schon cool und machte richtig viel Spass. Geschwindigkeit und Höhe zu halten ist nicht so schwierig. Wer ein wenig geschickt ist, wird damit schnell klar kommen. Nach einer Stunde ging es wieder zurück zum Flugplatz. Vor der Landung übernahm Sabine wieder die Macht über das Flugzeug und legte eine sichere Landung hin. Ich habe sie gelobt, dass sie mich wieder sicher zurück auf den Boden brachte, denn bei Frauen geht ja öfters mal was schief.

Da Sabine sogar Humor hatte, konterte sie geschickt und sagte, dass sie keine übliche Frau sei, die nur den Herd bedienen könne. Sie sei gelernte Schlosserin und wartet ihre eigene Maschine, eine rund 400 km/h schnelle 4-sitzige Reisemaschine vom Typ Cirrus 22SR GTS Turbo, auch selbst. Sie braucht keinen Mann und könne alles gut alleine. Da musste ich herzhaft lachen und sagte ihr, dass ich mir das gut vorstellen kann. Sie schaute mich an und meinte, dass ich eine große Klappe hätte und froh sein könnte, ihr das nicht in der Luft gesagt zu haben. Sonst könnte ich jetzt meine Kotztüte entsorgen.

Sabine und ich unterhielten uns dann noch prächtig bei einer Tasse Kaffee und sie würde mich informieren, wann sie das nächste Mal Zeit für mich hätte. Ich sackte meine Stafford-Hündin ein, die ich zuvor im Flugschulbüro geparkt hatte, nachdem dort ein Hundeliebhaber saß, der sich prächtig mit meiner Slawa verstand.

Nach einigen Stunden bimmelte meine WhatsApp und Sabine schrieb mir, dass Freitagabend ein guter Zeitpunkt sei, die nächsten Flugstunden zu besprechen und den Ausbildungsplan durchzugehen. Na, da ist die Sabine aber gleich in die Offensive gegangen. Das nenne ich Kundenbindung. Jedenfalls sagte ich das abendliche Date höflich ab und fand eine plausible Ausrede, so dass mein Korb nicht allzu verletzend war. Das hat etwas mit Stil zu tun. Sie hat Mut bewiesen und das darf nicht mit blöden Sprüchen bestraft werden.

Nächste Woche geht’s wieder hin und mal schauen, was die Sabine mir noch so beibringen kann. Hoffentlich googelt sie nicht meinen Namen...

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