• 20.08.2017

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Ein hübscher Strauß Rosen

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» Artikel vom

Ab und zu kaufe ich mir einen Strauß Rosen. Natürlich achte ich stets auf das „Fair Trade“ Siegel, wenn ich durch den Kauf von afrikanischen Rosen dort zur Wasserknappheit beitrage. Und es ist sicherlich nicht so schlecht, wenn Kinder Rosen pflücken, statt auf der Straße rumzulungern und Unsinn zu machen. Wer Rosen an seinen Arbeitsplatz stellt, dem geht es gefühlt einfach besser. Diese psychologische Wirkung wird gerne unterschätzt. Das ist Doping für Highperformer.

Mit selbsternannten Highperformern erlebe ich immer lustige Geschichten. Ich kenne so einen Ingenieur, der sich für einen Star und Überflieger hält. Er schwebt heldenhaft durchs Büro, macht gerne seine Kollegen rund und erzählt leidenschaftlich von seinen heroischen Erfolgen. Dabei ist dieses Landei noch keine 40. Das verdient großen Respekt. Bei jeder Gelegenheit wird am Stuhl vom Chef gesägt, denn der ist ja doof. Er selbst könne natürlich alles viel besser und wenn er nicht wäre, dann würde die Firma den Bach runtergehen. Da muss man nichts tun, einfach nur warten, bis solche Selbstüberschätzer gnadenlos auf die Fresse fliegen.

Obwohl ich solchen Überfliegern, die natürlich keine sind, gerne aus dem Weg gehe, kreuzen sich manchmal die Wege. Ich sehe immer gut aus, weil ich auf mein Äußeres großen Wert lege. Selbst beim Gassi gehen mit meinem Hündchen bin ich München-Ready. Tagsüber lege ich meist noch eine Schippe drauf. Jedenfalls schwebte mir dieser selbsternannte Highperformer über den Weg, schaute mich abfällig an und fragte, wie ich denn aussehen würde. Ich grinste ihn an, so wie ich es gerne mit meinen Exfrauen vor dem Familiengericht tat, und erwiderte, dass ich seine Hose, die er auf seiner Fettschürze trägt, hochinteressant finde. Den Bonus, über seine Sehhilfe zu sprechen, hob ich mir für später auf. Seine Sprachlosigkeit fand ich witzig. Am liebsten hätte ich noch gefurzt, aber leider hatte ich gerade keinen Druck auf der Pipeline.

Und es kam, was kommen musste. Der Knallfrosch kündigte, weil er sich in der Firma angeblich nicht mehr weiterentwickeln konnte. So jedenfalls schrieb er es den Kollegen in seiner Abschiedsemail. Das sind Emails, die man verschickt, wenn jeglicher Weg zurück betonfest verbaut werden soll. In seiner neuen Firma stellte diese Knalltüte dann überrascht fest, dass die neuen Kollegen nicht so nett und duldsam waren. Dort wurde er nicht, wie in seiner alten Firma, höflich ignoriert, sondern es bildete sich ganz flott eine harte Front, an der er wunderschön abprallte. Es wurden ihm einige Fallen gestellt und schon flog der selbsternannte Highperformer auf die Straße. Zwar gab es noch für einige Wochen etwas Geld, aber ein neuer Job war nicht in Sicht.

Verschärft wurde diese Situation durch einige ungeschriebene Gesetze. In meiner Branche kennt man sich und bei den zahlreichen Branchenanlässen kreuzen sich die Wege der Chefs regelmäßig. Man tauscht sich aus und warnt sich gegenseitig vor den berühmten faulen Eiern. Deshalb haben so manche Überflieger ihren Absturz nicht aufhalten können. Nun mag es durchaus viele offene Stellen geben, aber wenn der schlechte Ruf vorauseilt, dann bleiben die Türen zu.

Ein echter Highperformer muss seine Kollegen nicht mit seinen angeblichen Fähigkeiten nerven. Die werden von ganz alleine durch hervorragende Arbeitsergebnisse kommuniziert. Lob und höchste Anerkennung in Form von Neid kommen so automatisch. Dabei ist es durchaus normal, dass fachliche Überflieger irgendwo einen Knall haben. Doch für einen Highperformer hat das Erbringen von Höchstleistungen oberste Priorität. Es zählen die Ergebnisse und nichts Anderes. Und dann wird gerne über die menschlichen Defizite hinweggesehen.

Es wird immer Konflikte in einer Firma geben. Sicherlich ist es nicht ratsam, den Konflikt zu suchen, aber wenn ein Kampf angezettelt wird, dann muss er bis zum Schluss durchgehalten werden. Aufgeben durch eine Kündigung kommt nie gut an. Und Forderungen, die mit „entweder oder“ verknüpft werden, sind ganz schlecht. Das verbaut alle anderen Optionen und die berühmte goldene Brücke wird unerreichbar. Im schlimmsten Fall kann das „Entweder oder“ durchaus mit Kündigung belohnt werden. Ein Kampf innerhalb einer Firma muss strategisch immer gut überlegt sein.

Verblüffend sind in diesem Zusammenhang die Forderungen von jungen Hochschulabsolventen. Sie fühlen sich mit ihrem frischen Zertifikat bereits als Highperformer und sind geblendet von den ihren hervorragenden Karriereaussichten. Unter vier Riesen pro Monat will da niemand starten und obendrein sollten die Arbeitszeiten familienfreundlich sein. Überstunden? Nein, danke. Stress? Das war nicht abgemacht. Und so weiter. In Vorstellungsgesprächen wird nach dem Gehalt sofort über die Freizeit gesprochen. Die Bedürfnisse des Arbeitgebers interessieren nicht. Der soll froh sein, dass er diesen Highperformer einstellen darf. Das sind für Arbeitgeber keine rosigen Zeiten, aber für leistungswillige und fähige Männer könnten sie nicht besser sein.

Der heutige Trend in den Firmen ist eindeutig. Der pünktliche Feierabend hat oberste Priorität und damit ist alles gesagt. Solche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen dürfen sich nicht wundern, wenn sie keine Karriere machen. Und weil die Mehrheit ihren Lebensschwerpunkt in ihrer Freizeitgestaltung sieht, haben die wenigen Macher und Kämpfer praktisch freie Bahn ohne ernsthafte Konkurrenz. Beförderungen und Gehaltserhöhungen kommen automatisch, weil kein Arbeitgeber seine besten Rennpferde ziehen lassen will.

Ein kaum widerlegbares Indiz für die Lustlosigkeit in der Arbeitswelt ist die Tatsache, dass die meisten Weiterbildungsangebote mangels Teilnehmern abgesagt werden müssen. Trotz Fachkräftemangel mit entsprechend guten Karrierechancen scheint niemand ein gesteigertes Interesse zu haben, zu einem Highperformer zu mutieren. Das ist bemerkenswert.

Ein junger Bekannter von mir, mit Frau und Kind, fährt genau diese Faulpelzschiene. Er hat zwar einen guten Job und verdient ganz gut, aber seine berufliche Zukunft sieht düster aus. Er hat keine Berufsausbildung, sein Studium hat er abgebrochen und er baut seine Zukunft auf seinen Glauben, dass er in seinem Job außergewöhnlich gut sei. Seine Urlaubsreisen nach Neuseeland und nach Australien sowie die vielen kostspieligen Kurztrips mögen seine Lebensqualität steigern, aber wenn er dieses Geld in seine Ausbildung stecken würde, dann wäre es sinnvoller. Seine Frau wird das natürlich anders sehen. Doch wenn das böse Erwachen an die Tür klopft, dann ist es zu spät.


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