• 20.08.2017

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Urlaub, Titten und Autos

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» Artikel vom

Das sind prachtvolle männliche Themen. Urlaub, Titten und das heiß geliebte Auto. Wer als Mann diese magischen Wörter liest, kommt unweigerlich ins Schwärmen. Natürlich nicht der links-grün versiffte Ökofreak mit seinem Fahrrad, der beim Lesen des Brigitte Forums immer weinen muss. Hier im Männermagazin wird es nie um Fahrräder gehen. Warum auch? Der Spaßfaktor ist bei einem schönen Auto einfach höher.

Nachdem die Volkswagengruppe ihre Kunden mit den Dieselmotoren sagenhaft übers Ohr gehauen hat, ist das Thema Auto präsent wie nie zuvor. Natürlich muss den VW-Technikern Lob gezollt werden. Die Idee des Bescheißens beim Abgastest ist wirklich genial, aber eben nicht genial genug. Der Betrug ist aufgeflogen und nun stehen die Dieselwagenbesitzer etwas blöd in der Runde. Irgendwann dürfen diese Stinkerfahrzeuge nicht mehr in die Innenstädte und das ist auch gut so. Wer hinter einem Dieselauto fährt, der weiß wie diese Drecksschleudern stinken. Spätestens dann dürfte klar sein, dass hier mit der Umweltfreundlichkeit etwas nicht stimmt.

Im Allgemeinen sind die heutigen Fahrzeuge nicht mehr schön. Selbst die schönen Rundinstrumente sind Vergangenheit. Alles ist elektronisiert, überall blinkt es und zahlreiche Knöpfe zieren das Armaturenbrett, das eigentlich keines mehr ist. Und noch schlimmer ist es beim Design. Von der Seite betrachtet sind moderne Fahrzeuge kaum zu unterscheiden und von Vorne sehen sie mit ihren LED Lämpchen schlichtweg bescheuert aus. Hier fallen besonders die Weiberkarren von Audi auf, doch BMW ist nicht viel besser und auch Mercedes ist diesem Wahn verfallen.

Kein Wunder, dass viele Männer von den guten alten Zeiten schwärmen. Ein alter Opel Kadett oder der schöne BMW 1600. Das waren noch Autos. Man glaubt es kaum, dass die ohne Elektronik fahren können und das sogar bei moderatem Benzinverbrauch. Warum muss ein Autobesitzer heute 20.000 Euro mehr ausgeben, nur um vielleicht zwei Liter Benzin pro 100 km zu sparen? Das macht keinen Sinn.

Wer ein minderbemitteltes Häschen beeindrucken will, der greift freilich zu einem 5er BMW, aber der richtige Mann, der seinen eigenen Stil und Klasse verkörpert, fährt ein völlig anderes Auto. Er kauft sich einen Oldtimer mit H-Kennzeichen. Mit diesem Kennzeichen können alle Abgasnormen getrost ignoriert werden. Oldtimer dürfen in alle Innenstädte fahren. Lebenslänglich.

Und es gibt genug alltagstaugliche Oldtimer. Hier muss natürlich unterschieden werden, ob jemand einen Oldtimer als Wertanlage oder für den täglichen Einsatz kaufen will. Wertlagen sind hier nicht das Thema. Ein Mann will im Alltag eine geile Karre fahren und sein Auto nicht im Museum abstellen.

Es gibt viele Überlegungen, welchen Oldtimer man sich zulegen könnte. Die meisten Besitzer entscheiden sich für das das Auto, wovon sie schon als Kind träumten. Und es ist eine besondere Freude, wenn Kinderträume wahr werden. Nebenbei angemerkt, nur ein Trottel kauft sich ein Auto auf Empfehlung einer Frau. So doof sind eigentlich nur Ehemänner und viele von denen können sich einen Oldtimer eh nicht leisten. Das verhindert die Ehefrau, die in allen Belangen das Sagen hat. Ein Oldtimer ist nur etwas für Singles, die über ihr Einkommen zu 100% selbst verfügen können.

Als Kind saß ich in einem Wartburg 311 in blau und in einem Shiguli 1200. Das sind sogenannte Ostfahrzeuge. Beide Autos waren in der DDR ein Traum und sie werden seit Jahrzehnten nicht mehr gebaut. Ein Wartburg 311 ist heute extrem teuer, weil niemand so ein Auto verkauft. Für gut restaurierte Wartburgs müssen 15.000 Euro und mehr auf den Tisch gelegt werden. Ein weiteres Problem sind die Ersatzteile.

Interessant an den Ostalgieautos ist die Tatsache, dass deren Liebhaber aussterben werden. Die jungen Ostdeutschen haben mit solchen Autos nichts am Hut. Sie lebten nicht in dieser Zeit und haben keine persönliche Bindung dazu. Und im westlichen Teil Deutschlands waren diese Fahrzeugtypen praktisch nicht vorhanden.

Etliche Jahre nach dem Mauerfall und der zwangsweisen Wiedervereinigung mit ihren Drangsalierungen der ostdeutschen Bevölkerung bin ich in den Genuss gekommen, einen Shiguli 1200, der baugleich mit dem Fiat 124 ist, zu fahren. Das ist für mich das Auto schlechthin. Als Kind träumte ich von so einem Wagen und heute fahre ich ihn. Ja, da komme ich ins Schwärmen. Der Shiguli ist aus dem Jahr 1971. Das klingt richtig teuer, ist es aber nicht. Der Verkaufswert liegt ziemlich niedrig, weil kaum jemand diesen Wagen haben will. Selbst große Händler haben Schwierigkeiten, so ein Fahrzeug zu verkaufen. Top erhaltene Shigulis werden um die 8.000 Euro angeboten und stehen dennoch oft jahrelang auf dem Hof der Händler. Das ist normal, weil der echte DDR-Bürger so langsam ausstirbt. Ich bin de facto die letzte DDR Generation. Danach kommen die bundesdeutschen und kapitalistisch verseuchten Buben. Die interessieren sich nicht für Ostalgie. Um einen Shiguli zu lieben muss man seine Kindheit in der DDR verbracht haben.

Natürlich will ich niemanden für einen Shiguli begeistern. Ganz im Gegenteil. Jeder hat als Kind von einem bestimmten Auto geträumt und heute ist vielleicht die Zeit gekommen, sich dieses Fahrzeug zu kaufen und wieder schick zu machen. Ein erfolgreicher Mann in feinem Zwirn sieht in einem BMW 1600 richtig gut aus. Für 20 bis 30.000 Euro kann man so ein tolles Auto kaufen. Noch gibt es sie. Lächerlich, wer in einen Skoda Octavia einsteigen muss. Da hilft selbst der beste Anzug nichts. Ist die Karre Scheiße, dann ist der Typ auch Scheiße.

Ein Oldtimer muss gefahren werden. Jeden Tag. Und wer das macht, wird schon am Morgen glücklich sein. Er fährt mit dem Auto seiner Träume und das darf ruhig seinen Preis haben. Die modernen Autos von heute sind auch keine Schnäppchen, jedoch mit viel weniger Fahrspaß.

Das Problem eines Oldtimers ist sicherlich der Rückbau in den Originalzustand. Sonst gibt es kein H-Kennzeichen. Das ist eine schöne Herausforderung, die viel Geduld abverlangt. Doch wenn es soweit ist, dann ist die Freude riesengroß.




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