• 20.08.2017

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Tod durch Hunde

huendchen

» Artikel vom

Ich bin immer tief bestürzt, wenn Menschen durch einen Hund zu Schaden kommen oder sogar sterben. Das ist unglaublich und für einen Hundekenner wie mich kaum zu verstehen. In Baden-Württemberg starb eine 72 jährige Frau durch die Bisse eines Kangalhundes. Die ältere Dame befand sich auf einem Weg nahe des Zauns, wo der Kangal sein Revier bewachte. Der Besitzer des Hundes ist eine 43jährige Frau.

Grundsätzlich ist nicht der Hund an einem Beißvorfall schuld, sondern immer der Besitzer. Einen Kangal zu halten ist eine sehr große Verantwortung, denn es handelt sich hier um einen bis zu 70 kg schweren und bis zu 80 cm großen Hüte- und Wachhund, der ziemlich kompromisslos zur Sache geht. Man muss wissen, dass ein Kangal sein Revier nicht durch einen Zaun begrenzt sieht, sondern weit darüber hinaus. Kenner dieser Rasse wissen, dass ein Kangal einen besonders starken Zaun benötigt. Massiv, zwei Meter hoch und einen Meter tief in die Erde eingebuddelt muss er sein. Ein Maschendrahtzaun ist für einen Kangal kein ernsthaftes Hindernis. Wegen der Verantwortungslosigkeit der Hundebesitzerin musste nun eine ältere Dame sterben.

Die Frage, wie solche Beißvorfälle vermieden werden können, wird kontrovers diskutiert. Der Gesetzgeber und speziell die Länder orientieren sich an einer Liste gefährlicher Hunde, im Volksmund Kampfhunde genannt. Hunde der Liste 1 sind grundsätzlich verboten und der Liste 2 nur zulässig mit entsprechenden Wesenstests. Damit sollen Bürger vor Hundeangriffen geschützt werden. Ob diese Maßnahmen bisher erfolgreich waren, kann angezweifelt werden. Und auch nicht gelistete Hunde können Menschen tödlich verletzen.

Das Verbot von bestimmten Rassen ist nicht zielführend, sinnvoller ist ein Hundeführerschein, dessen Ausbildung je nach Rasse, Größe und Gewicht des Hundes individuell ausgestaltet sein sollte. Nur wenn der Hundebesitzer fundierte Kenntnisse über seinen Hund erhält, kann er sich richtig verhalten. Doch Beißunfälle lassen sich ebenso wenig restlos vermeiden, wie Unfälle im Straßenverkehr. Trotz Führerschein sterben auf den Straßen der Europäischen Union 28.000 Menschen pro Jahr. Niemand würde auf die Idee kommen, deshalb bestimmte Fahrzeugarten zu verbieten. Bei Hunden liegt die Hemmschwelle der Behörden deutlich geringer. Bei aller Tragik jedes Toten, die Verhältnismäßigkeit sollte gewahrt werden.

Ein verantwortungsvoller Hundebesitzer muss seinem Hund in allen Belangen gewachsen sein. Da verbietet es sich regelrecht, einer Frau einen Kangalhund zu überlassen. Da geht dieser Hund stets mit Frauchen spazieren und wenn er das Rennen kriegt, dann flattert Mutti an der Leine hinterher. Es ist kaum vorstellbar, dass eine Frau bei einer Beißattacke eines so großen Hundes erfolgreich eingreifen kann. Dazu ist eine Frau physisch kaum in der Lage.

Ich habe in den letzten 20 Jahren mit Unterbrechungen immer einen Hund gehabt. Und ich liebe vor allem Hunde, die sonst keiner sonderlich mag. Stafford, Pitbull, Bullterrier und Co. sind meine Lieblingsrassen. Weil ich in Bayern wohne, darf ich so einen Hund nicht halten. Deshalb habe ich mich für einen Olde English Bulldog (OEB) entschieden, der auch recht muskulös wirkt, aber nicht allzu groß ist bei einem Gewicht von ca. 25 kg. Der OEB ist mit seiner plattgedrückten Schnauze und seinem Unterbiss sicherlich kein schöner Hund. Seine Stärken liegen in der massiven Körperform und in einem besonderen Charakter. Ein OEB ist nämlich etwas eigenwillig und wenn ein Bulldog etwas nicht will, dann wird es sehr schwer. Trotz Rufen bleibt ein Bulldog gerne stehen, bis er persönlich abgeholt wird. Das mag lustig klingen, doch wer es eilig hat, lernt den Bulldog von seiner fiesen Seite kennen. Er versteckt sich, rennt weg und lässt sich nicht einfangen. Das macht dem Bulldog eine Mordsfreude, dem Besitzer überhaupt nicht.

Und ein Bulldog ist gerissen bis ins Knochenmark. Brav liegt meine Betti abends im Körbchen, doch wenn sie meint, dass ich eingeschlafen bin, dann schleicht sie sich sachte ins Bett und macht es sich neben mir bequem. Und wenn mein Tiefschlaf fast vorbei ist, dann merkt das meine Betti und leckt mein Gesicht ab. Dagegen hilft nichts, außer Aufstehen. Ab fünf Uhr morgens muss ich damit rechnen, dass die Nacht vorbei ist. Dagegen gibt es kein Mittel. Vielleicht wird sie im Alter etwas ruhiger, aber das bleibt wahrscheinlich nur eine Hoffnung.

Sie hat auch richtig gute Seiten. Sie ist brav, macht nichts kaputt, liegt im Auto wie eine Eins im Fußraum und im Büro unterm Schreibtisch, ohne einen Mucks von sich zu geben. Das macht meine Betti bei vielen Sekretärinnen beliebt. Noch. Das wird sich leider legen, denn Betti bringt mit knapp neun Monaten bereits 21 kg auf die Waage und erst in den nächsten Monaten bilden sich die Muskeln voll aus. Der Kopf wird breiter und die Augen verschwinden in dem massigen Schädel. Das macht den Bulldog zu einem Bulldog. Mehr Schein als Sein. Sie sieht dann nicht mehr so süß und knuddelig aus.

Die Anschaffung eines Hundes muss immer gut überlegt sein. Wenn der Hund den ganzen Tag alleine zu Hause ist, dann vereinsamt er. Das ist auf Dauer nicht gut für die Hundepsyche. Hundeinteressierte sollten sich vorher im Klaren sein, dass ein Hund ein ewiges Baby ist, das viel Arbeit, aber auch extrem viel Freude macht. Wer abartig hässlich aussieht und keinen großzügigen Charakter hat, der wird mit einem Hund immer besser bedient sein als mit einer Frau. So geht es mir und ich bin überaus glücklich damit. Ein Hund ist der beste Freund des Mannes.

Ich gehe mit meinem Kraftpaket Betti verantwortungsbewusst um. Sie wird nicht isoliert und kennt besonders viele Sekretärinnen. Ein Hund muss den Menschen nicht als Gefahr sehen und einen Hund abzurichten, halte ich persönlich für sehr gefährlich. Meinen Hund bewache ich und nicht umgekehrt. Und da ist meine Bulldogge besonders witzig. Wenn irgendwie eine Gefahr droht, dann steht sie press hinter meinem Körper, aber nicht aus Angst. Sie sieht mich als ihren Rudelführer und Beschützer an. Damit habe ich den Hund im Griff.

Natürlich mache auch ich Fehler bei der Hundeerziehung, die mir bewusst sind. Als Welpe lag die kleine Betti morgens immer auf meinem Schoß, nur bei 21 kg wird das langsam etwas anstrengend. In einem halben Jahr muss ich diese blöde Angewohnheit abgeschafft haben. Das wird eine harte Zeit werden, denn ein Bulldog kann herzzerreißend weinen.

Ein Hund in den richtigen Händen ist ein treuer und sanfter Begleiter. Nicht die Hunderasse ist gefährlich, sondern der Halter oder die Halterin. Hier muss dringend der Hundeführerschein eingeführt werden. Der aktuelle Weg, bestimmte Hunderassen zu verbieten, wird die Anzahl der Unfälle nicht reduzieren.




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