• 21.08.2018

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Das beschissene Leben als Unterhaltspreller

dino_traumatisiert

» Artikel vom

Ich habe das Jahr 2015 zum Jahr meiner Weiterbildung gemacht, obwohl ich traumatisiert bin und enorm unter der Trennung von meiner letzten Ehefrau leide. Immerhin muss ich schwerste Anschuldigungen ertragen. Ich erinnere hier gerne an die angebliche Sexsklaverei bei angeblich gleichzeitigen homosexuellen Aktivitäten, neben dem Sprechverbot meiner lieben Ehefrau beim Frühstück. Die ganze Latte an Anschuldigungen möchte ich nicht wiederholen. Das alles macht mich psychisch völlig fertig. Ich bin traumatisiert.

Ja, ich gebe gerne zu, dass ich traumatisiert bin und ich gehe damit sehr offen um. Meine damit deutlich geminderte Arbeitsleistung macht sich natürlich bei meiner Lohnvergütung bemerkbar. Klar, dass ich nicht mehr so üppig verdienen kann und damit meine Unterhaltsleistungen ausfallen. Das Geld reicht eben nur für mich. Das macht mich zusätzlich völlig kaputt, denn ich möchte doch meiner sozialen Verantwortung nachkommen. Gerne würde ich an meine Exfrauen viel Geld zahlen, damit es ihnen an nichts fehlt. Ich schaffe es einfach nicht. Kein Staatsanwalt kann sich vorstellen, dass ich deswegen nachts kaum schlafen kann. Ja, damit muss ich leben. Verständnis für mein Dilemma erhalte ich nicht. Nein, ich werde sogar beschimpft und das erzeugt neue tiefe Depressionen. Das ist sehr hart für mich und oft bin ich darüber traurig. Es ist schlimm, nachts schweißgebadet aufzuwachen, weil es meinen Exfrauen so richtig mies geht. Das wollte ich jetzt unbedingt loswerden. Nun geht es mir wieder ein klein wenig besser, weil es einfach raus ist. Die Wahrheit!

Nun ist eine Traumatisierung, verbunden mit einer tiefgreifenden Depression, zwar schlimm und eine echte Krankheit, aber man verblödet nicht. Das Gehirn ist immer noch intakt und das Denkvermögen erstklassig. Und als fast 50jähriger gehöre ich noch nicht zum alten Eisen und so habe ich einige Weiterbildungen auf höchstem Niveau absolviert. Zwar kann ich daraus im Moment kein Kapital erwirtschaften, aber vielleicht hört die Traumatisierung irgendwann auf. Dann könnte ich nochmal so richtig Gas geben und sogar meine Unterhaltsschulden abbauen. Das wäre eine feine Sache. Vielleicht gelingt mir das und wenn nicht, dann ist es auch nicht so schlimm. Bildung ist immer etwas Besonderes, denn das sichert die eigene Zukunft für die nächsten Jahre, gar Jahrzehnte.

Das Schöne an der Bildung ist die Unpfändbarkeit. Nun habe ich in der Tat nichts mehr auf der Kante, aber mein Wissen kann mir niemand nehmen. Es mag vielleicht ein wenig komisch aussehen, dass ich mein vorhandenes Spezialwissen zertifiziert habe und unter normalen Umständen sicherlich ein Spitzenverdiener wäre, aber das ist kein Widerspruch. Viele Männer haben Burnout oder eine schwere Depression und sind damit auf Jahre krankgeschrieben. Ich stemme mich dagegen und raffe mich jeden Morgen auf. Tagtäglich versuche ich mein Bestes. Manchmal gelingt es mir, oft auch nicht. Nicht, dass ich Fehler mache, aber oft muss ich mich hinlegen, ein Nickerchen machen oder mich mit meinem Hund beschäftigen, der mir nicht gehört. Ich brauche häufige Erholungsphasen. Das Kranksein kann sehr hart und manchmal unerträglich sein.

Nun ist mir bei meiner letzten Weiterbildung aufgefallen, dass bei 23 Teilnehmern, alles hochdekorierte Ingenieure, nur eine einzige Frau dabei war. Was für eine miese Quote. Bei dem Folgelehrgang, den ich im Moment besuche, sind es nur noch 12 Teilnehmer und keine einzige Frau ist dabei. Nun bin ich im Bauwesen tätig und nach einigen Recherchen habe ich feststellen müssen, dass Frauen schon seit Jahrzehnten offenen Zugang zum Bauingenieurstudium haben. Die meisten Universitäten bieten zudem Kindergartenplätze und weitere umfangreiche Unterstützungen an. Und trotzdem sind Frauen auf dem Bau echte Mangelware. Alle Bevorzugungen sind wirkungslos. Weit und breit sind keine Damen zu sehen, die sich den Beruf beim Bau antun wollen. Ich kann es verstehen, denn der Job ist Stress pur, neben dem alltäglichen Wahnsinn. Selbst Männer haben damit ihre Probleme.

Und so endet die gewünschte Gleichstellung der Frauen auf dem Bau in einem Desaster. Es ist eine reine Männerwelt und das wird auch in Zukunft so bleiben. Nun kenne ich zwar einige Frauen, von denen manche sogar als Bauleiterinnen tätig sind, aber die sind wirklich nicht zu ertragen. Mangelndes Basiswissen, schlechte Organisation, kein Weitblick und menschliche Defizite, mit denen man keine Handwerker führen kann. Ich kann ein Lied davon singen, wie bemerkenswert dumm Frauen auf dem Bau sein können. Der direkte Kontakt mit einer Frau auf dem Bau kostet mich wertvolle Lebenszeit, weil ich wie ein Papagei alles zigmal sagen muss. Und trotzdem ist die ganze Mühe sinnlos, weil in einer hohlen Birne nichts hängen bleibt. Das klingt hart, ist aber die Realität.

Und so bin ich doch froh, dass ich auf dem Bau kaum Weiber ertragen muss. Unter uns Männern ist der Umgang zwar oft ruppig, aber dennoch herzlich. Man schreit sich an, man beschimpft sich gegenseitig, aber irgendwann mal verträgt man sich wieder. Ich erinnere mich gerne daran, wie ein Architekt versucht hat, mich die Treppe runter zu schubsen. Nur mit Mühe konnte ich mich am Geländer festhalten. Mein damaliger Oberbauleiter musste mich beruhigen, damit ich nicht handgreiflich wurde. Einige Tage später haben wir darüber gelacht und uns gegenseitig als Arschloch beschimpft. So geht es auf dem Bau zu. Natürlich nicht immer so deftig, aber Emotionen spielen stets eine große Rolle. Und irgendwie macht es doch Spaß. Andererseits habe ich nichts anderes gelernt.

Ich werde mich auch in Zukunft geistig fit halten und mein Wissen stetig erweitern. Und wenn ich gefragt werde, wie es mir geht, dann muss ich mir bei meiner Antwort, dass ich schwer traumatisiert bin, immer ein Tränchen aus dem Auge wischen. Es ist eine Unverschämtheit, dass meine Baukollegen sich dann vor Lachen krümmen. Das ist wirklich nicht in Ordnung. Nebenbei werde ich noch wegen meines Ladas oft verspottet. Das ist nun wirklich nicht in Ordnung, dass ich als Ossi mit Hohn und Spott überschüttet werde. Ja, so ist es auf dem Bau.

Vielleicht verstehen nun meine Exfrauen und die Staatsanwälte etwas besser, dass ich wirklich nichts zahlen kann, weil ich einfach keine Power mehr habe. Kann ich sagen, dass ich krank bin? Gewiss. Kann ich mit Heilung rechnen? Wohl kaum. Und so muss ich gezwungenermaßen ein Leben als angeblicher Unterhaltspreller leben. Das ist wirklich nicht witzig.

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